Donnerstag, 21. Dezember 2017

Weihnachtszeit in Panama

Heute musste ich überrascht festellen, dass in drei Tagen schon Weihnachten ist und ich schon seit 4 Monaten hier bin!
Der Dezember ist hier aber wirklich anders als in Deutschland, und so richtig in Weihnachtsstimmung bin ich dadurch irgendwie nicht. Anders als in Deutschland gibt es aber auch keine Weihnachtsmärkte, und generell auch weniger Weihnachtsfeiern oder ähnliches. Stattdessen ist der Dezember vor allem von einer Sache geprägt: Graduaciones und Beginn der Ferien. Eine Graduación ist eigentlich nur eine Entlassungsfeier, die hier nach dem neunten Schuljahr, nach dem Abitur und nach einem Uni-Abschluss stattfindet. Da meine Gastnichte dieses Jahr mit der neunten
Klasse fertig wurde, hatte ich gestern die Chance, auch auf so einer Feier dabei zu sein.
Die Überreichung des Zeugnisses
Ich ging dort mit meiner Gastschwester, meiner Gastschwägerin und ihrem 7-jährigen Sohn hin. Wir haben uns schick angezogen und hatten auch zwei kleine Geschenke für meine Gastnichte. Hier scheint es sehr üblich zu sein, Ballons, auf denen etwas wie "Glückwunsch zum Abschluss" oder ähnliches steht, und Stofftiere mit Doktorhut zu verschenken. Die Feier war eigentlich nicht viel anders als in Deutschland, es wurden einige Reden von verschiedenen Lehrern und Schülern gehalten, besondere Erwähnungen und Auszeichnungen vergeben und anschließend die Zeugnisse verteilt. Ich hatte allerdings nicht damit gerechnet, dass auch ein Pastor kommen würde. Dieser hielt am Anfang der Feier eine Art Predigt. Religion spielt hier eben häufig eine größere Rolle als in Deutschland, was mich immer wieder aufs Neue überrascht. Außerdem fiel mir auf, dass die Klassen wesentlich kleiner waren, die kleinste Klasse bestand aus 11 Schülern und die größte aus 20, dafür gab es aber auch 6 Klassen. Nach dem Verteilen der Zeugnisse haben wir noch ein paar Fotos gemacht und sind wieder nach Hause gefahren, meine Nichte ist noch etwas geblieben, um sich von Freunden zu verabschieden.
Was habe ich sonst noch so gemacht die letzten Tage?
Die Cinta Costera
Ein eindeutiges Highlight war für mich die Reise nach Panama-Stadt mit einem großen Teil meiner Familie letztes Wochenende. Ich bin dort mit zwei meiner Gasttanten, meinem einen Gastbruder und seiner Familie, und anderen Söhnen und Enkeln einiger Gasttanten hingefahren. Insgesamt waren wir 13 Leute, also eine recht große Gruppe. Ich durfte auch direkt lernen, wie Reisen in meiner Gastfamilie zugeht. Da ich die einzige Person war, die morgens pünktlich fertig war, sind wir zwei
Stunden später als geplant aufgebrochen, und im Hostel angekommen, haben wir erstmal vier Stunden lang nur gewartet und Mittag gegessen, da es draußen so heiß war. Das war schon ein Schock für mich, ich bin es eher gewohnt, dass es selbstverständlich ist, sich den ganzen Tag die Stadt anzugucken. Am späten Nachmittag sind wir dann die Cinta Costera, eine Strecke, die an der Küste entlang führt und von der aus man auch einen schönen Blick auf die Skyline von Panama-Stadt hat, entlang gelaufen. Das war wirklich schön. Am nächsten Tag waren wir noch etwas shoppen und sind dann wieder nach Hause gefahren. Ich muss zugeben, so richtig was gesehen von Panama-Stadt habe ich auf unserem kurzen Trip irgendwie nicht, aber es war trotzdem schön, etwas mit meiner Familie zu unternehmen.
Letzte Woche war ich außerdem abends mit meiner Schwägerin und ihrem Sohn auf einem Fest im
Im Park
Park von Penonomé. Dezember ist der Monat des Patrons von Penonomé, weshalb es eine Zeremonie in der Kirche gab. Dementsprechend viele Menschen waren dort, aber auch der Park war voll. Alles war mit weihnachtlichen Lichtern dekoriert und die Kinder spielten Fangen, während wir uns auf eine Bank setzten. In der Kirche wurden Lieder gesungen und  später gab es sogar noch ein Feuerwerk. Als auf einmal jemand mit einem Stierkostüm auf dem Rücken herumlief, aus dem auch Feuerwerk kam, und die Menschen anfingen zu schreien und aus dem Park zu laufen, habe ich mich aber schon erschrocken. Das scheint aber eine weitere Tradition hier zu sein, und es ist auch niemandem etwas passiert.
So richtig weihnachtlich wurde es dann heute, als ich nachmittags mit meiner Schwägerin und ihrem Sohn auf ein Kinderfest der Kirche ging. Es waren sehr viele Kinder da, die scheinbar alle in unserem Wohnviertel leben. Wir saßen um Tische und zunächst hat eine Frau mit den Kindern gesungen, bis dann die Feuerwehr kam und eine kurze Rede gehalten wurde, und anschließend ein Clown und eine andere kostümierte Frau auftraten. Dann wurde auf lustige Weise die Weihnachtsgeschichte erzählt und anschließend gab es verschiedene Spiele für die Kinder. Außerdem wurden Pizza und Saft verteilt. Am Ende hat jedes Kind noch ein Geschenk und Süßigkeiten bekommen, was eindeutig das Highlight der Veranstaltung war. Eine Piñata durfte natürlich auch nicht fehlen. Ich fand es echt schön, dass die Kirche hier so eine Feier zu Weihnachten organisiert, und alles umsonst ist, das Essen, die Spiele und die Geschenke. Dadurch können wirklich alle Familien daran teilnehmen.
Morgen gibt es auch noch Weihnachts-Desfiles in Penonomé, und ich werde dort mit AFS mitlaufen! Als ich zum ersten Mal davon gehört habe, dass es hier auch Desfiles zu Weihnachten gibt, war ich schon sehr erstaunt, und das, was ich von den Desfiles in Panama-Stadt im Fernsehen gesehen habe, sah für mich schon sehr ungewöhnlich aus. Ich bin aber auf jeden Fall schon sehr gespannt, wie das wird.

Samstag, 9. Dezember 2017

Santa Fé, Weihnachtsessen & Día de la Madre

Meine erste Ferienwoche habe ich natürlich sofort zum Reisen genutzt! Sonntag ging es mit einer anderen Freiwilligen nach Santa Fé, ein Dorf mitten in den Bergen und im Dschungel Panamas. Schon während der Fahrt im Bus konnten wir sehen, wie wir weg von der Stadt kamen und die
Straßen immer hügeliger wurden. Wir übernachteten in einem kleinen Hostel, in dem neben uns nur vier andere Gäste waren. Eine Frau dort beriet uns direkt freundlich, was wir in Santa Fé so machen könnten, und noch am gleichen Tag gingen wir zu einem Fluss, in dem man baden konnte. Leider war die Strömung zu stark zum schwimmen und das Wasser ziemlich kalt, aber es war ein schöner, kurzer Ausflug. Abends gingen wir dann mit einer Französin, die momentan alleine durch Panama reist, zu einem kambodschanischen Restaurant. Das Essen war scharf, aber mal eine Abwechslung zu dem wenig gewürzten panamaischen Essen.
Am nächsten Tag entschieden wir uns dazu, zu einem Wasserfall zu wandern. Dazu mussten wir allerdings eine befahrene Straße hinauflaufen, was in der Mittagshitze echt anstrengend war. Unterwegs hatten wir aber eine gute Aussicht. Der letzte Teil führte dann durch den Wald. Es war schon recht rutschig, und wir kletterten zwischen Wurzeln und Steinen einen matschigen Trampelpfad hinunter. Wie sich aber herausstellte, führte dieser uns nicht zur richtigen Stelle im Fluss, und so sollten wir die Wasserfälle von Altos de Piedra nie zu Gesicht bekommen. Da es auch noch langsam anfing, zu regnen, liefen wir nach einer kurzen Pause wieder zurück. Bergab und im Regen war der Weg zum Glück angenehmer zu laufen.
Dienstag wollten wir es dann ruhiger angehen und erstmal in ein paar Läden gehen, die selbstgemachten traditionellen Schmuck verkauften, schließlich war Freitag hier in Panama Muttertag, da brauchten wir natürlich ein Geschenk. Leider hatten die Läden aber zu.
Nachmittags haben wir dann "Inner Tubing" gemacht. Wir beide hatten vorher noch nie davon gehört, aber nachdem wir davon gelesen hatten, war uns schnell klar, dass wir das probieren mussten. Und so ging es in Rettungsweste auf einem Reifen den Fluss hinunter. Da es viel geregnet hatte, war die Strömung an einigen Stellen recht schnell und man stieß sich auch öfters mal an Felsen, was die Fahrt etwas abenteuerlicher machte. Gerade an den ruhigen Stellen konnten wir aber auch einfach die Aussicht genießen. Wir fuhren mitten durch den Dschungel, außer uns war weit und breit kein Mensch zu sehen, und aus den Bäumen kamen Geräusche von Vögeln und anderen Tieren. Es war eine sehr schöne Fahrt, auch wenn ich am Ende das Pech hatte, zwischen lauter Felsen hängen zu bleiben.
Mittwochs hatten wir dann doch nochmal Gelegenheit, ein Geschenk für unsere Gastmütter zu besorgen, und dann ging es schon auf den Rückweg. Für mich hieß das aber, direkt nach Panama-Stadt weiterzufahren, da die deutsche Botschaft am 7. Dezember alle weltwärts-Freiwilligen zu einem Mittagessen eingeladen hatte. Deswegen traf ich mich mit ein paar anderen abends in der Stadt und übernachtete in einem anderen Hostel. Das war schon ein großer Kontrast zu dem kleinen Santa Fé! Panama-Stadt ist sehr westlich geprägt, es gibt viele Hochhäuser und alles ist wesentlich moderner als in den restlichen Städten des Landes. Selbst das Hostel war riesig und man konnte dort lauter Backpacker aus allen möglichen Ländern antreffen!
Das Essen fand in dem Haus eines Botschafters statt. Dort bekamen wir doch tatsächlich deutsches Essen, das sogar geschmeckt hat! Es war auch eine gute Gelegenheit, die weltwärts-Freiwilligen der anderen Organisationen kennenzulernen, auch wenn die meisten von AFS waren. Abends ging es dann wieder auf den Weg nach Hause, denn am nächsten Tag war ja der Día de la Madre, Muttertag.
Anders, als ich erwartet hätte, war das aber ein recht normaler Tag, an dem zwar alle frei hatten, aber nicht so viel gemacht wurde. Meine Gastmutter besuchte mit meiner Gastschwester noch die Großmutter, und ich hatte einen ruhigen Tag zuhause.
Auch wenn ich durch das Wetter noch gar nicht richtig in Weihnachtsstimmung bin, ist hier schon alles festlich geschmückt. Sogar einen Adventskranz haben wir! Und die Tür wurde mit Geschenkpapier umwickelt, das ist schon etwas gewöhnungsbedürftig für mich. Jeden Tag wird hier jedenfalls die Deko etwas mehr und ich bin schon gespannt, wann der Weihnachtsbaum dazukommt.
So sieht die Haustür zurzeit aus

Samstag, 2. Dezember 2017

Schildkrötenschlüpfen auf Isla Cañas


Letztes Wochenende hatte ich die Gelegenheit, auf der Isla Cañas, die auf der Halbinsel Panamas liegt, zusammen mit 6 anderen Freiwilligen zu zelten und mit unserem Bekannten von Mi Ambiente, mit dem wir ja auch schon Bäume gepflanzt haben, und ein paar Studenten Schildkröten nach dem Schlüpfen bei ihrem Weg ins Meer zu helfen.
Freitagmorgen machten wir uns in einem kleinen Bus auf den langen Weg zur Insel. Das letzte Stück fuhren wir dann mit einem wassertaxi, wobei wir vorher noch ziemlich lange durch Schlamm laufen mussten, in den wir teilweise knietief einsanken. Das war schon lustig, vor allem, da wir mit Zelten und Lebensmitteln bepackt waren. Auf der Insel angekommen fuhren wir durch eine Art Dorf zu dem Haus, wo wir das Wochenende über Essen, eine Toilette (eher ein Plumpsklo) und eine Dusche
bekommen würden. Auf Isla Cañas gibt es noch nicht wirklich Tourismus, und dementsprechend auch keine Hostels oder Hotels. Den Nachmittag und Abend gab es noch kein Programm, und so hatten wir Zeit, um ins Meer zu gehen und das Strandleben zu genießen. Es gab sogar Kokosnüsse! Abends haben wir dann Bekanntschaft mit einem Insekt gemacht, das ich fast noch schlimmer als die Mücken hier finde: Chitras. Kleine Fliegen, die gerne Menschenblut mögen. Das alleine ist ja noch nicht so schlimm, aber es tut schon weh, wenn die einen beißen, und nach ein oder zwei Tagen fängt der Stich an, sehr stark zu jucken. Und von den Chitras gibt es ziemlich viele, teilweise saßen um die zehn Fliegen gleichzeitig auf meinen Armen. Gut, dass wir schon darauf vorbereitet waren und Creme gegen die Stiche dabei hatten. Trotzdem bin ich jetzt voll mit denen.
Die Schildkröten kamen alle in einen Korb
Der Vivero
Samstag Vormittag ging es dann zum Vivero, eine Art Brutstätte für Schildkröteneier. Auf der Insel ist die Polizei dafür zuständig, die Eier der Schildkröten einzusammeln und sie dorthin zu bringen. Tatsächlich wurden in der Nacht von Freitag auf Samstag die Eier einer Schildkröte gestohlen, bevor die Polizei sie einsammeln konnte, aber grundsätzlich soll das durch ihre Arbeit vermieden werden. Während wir zum Vivero liefen, sammelten wir noch Müll ein, der am Strand lag. Es war schon erschreckend, wie viel Plastik wir fanden, und das, obwohl es dort keine Touristen gibt.
Dann kam ein Polizist und hat jedem von uns eine kleine Schildkröte in die Hand gegeben, die
wir zum Meer gebracht haben. Das war schon ein sehr besonderer Moment. Im Vivero gab es noch viel mehr Baby Schildkröten, die alle zusammen zum Wasser getragen wurden. Wir schauten, dass alle in die richtige Richtung liefen und den Weg ins Meer fanden. Dann gingen wir wieder zurück zum Haus und räumten weiter den Strand auf.
Den restlichen Tag konnten wir am Strand verbringen, sonntags fuhren wir dann morgens wieder nach Hause.
Insgesamt war es ein sehr schönes und entspanntes Wochenende, und ich werde wohl nie das Gefühl einer kleinen, zappelnden Schildkröte in meiner Hand vergessen. Vielleicht konnte ich damit einen kleinen Beitrag zum Schutz der Schildkröten leisten oder zumindest zeigen, dass das Thema wichtig ist und die Arbeit, die die Polizisten dort leisten, wertgeschätzt wird.
Sonst gibt es eigentlich nicht so viel Neues bei mir, ich habe jetzt erstmal sehr lange frei, da die Kinder in den Sommerferien zu ihren Eltern fahren und ich deswegen auf der Arbeit nichts zu tun hätte. Mal sehen, was ich in der Zeit so alles machen werde, ich hoffe, bei anderen Projekten mithelfen zu können und etwas durch Panama zu reisen :)