Mittwoch, 27. September 2017

Ein Tag in der Kirche

Es ist zwar schon fast drei Wochen her, aber heute möchte ich von meinem Besuch in der Kirche berichten.
Ich war dort mit meiner Gasttante. Hier in Panama sind die meisten Leute katholisch, meine Tante allerdings nicht, und so waren wir in einer evangelischen Kirche. Ich glaube, das ist hier schon etwas besonderes und ich weiß deshalb nicht genau, inwiefern der Gottesdienst repräsentativ für das Verhältnis zu Religion im Allgemeinen hier ist.
Morgens um 10 Uhr brachen meine Nichte und ich zusammen auf, meine Tante war schon in der Kirche, da es dort ab 9 Uhr Kurse gibt. Die Kirche selbst war etwa fünf Minuten zu Fuß von meinem Zuhause entfernt und sah von außen eher aus wie ein einfaches, großes Gebäude, bei genauerem Hinsehen entdeckte ich aber das Fenster in Form eines Kreuzes und andere christliche Symbole. Vor der Kirche saßen Menschen in festlicher Kleidung in kleinen Gruppen zusammen. Meine Nichte erklärte mir, dass die Gruppen nach Alter sortiert seien und kurz darauf begrüßte mich meine Tante und führte mich einmal herum. Dabei stellte sie mich einigen Leuten vor, unter anderem auch dem Pfarrer. Alle waren sehr freundlich und freuten sich, dass ich gekommen war. Neben dem Haus für den Gottesdienst gab es noch ein kleineres Gebäude in dem mittags gegessen und sonst auch in kleinen Gruppen an unterschiedlichen Projekten gearbeitet wurde. Die Kinder und Jugendlichen waren alle damit beschäftigt, verschiedene Dinge zu basteln, während die Älteren, bei denen ich auch war, da meine Tante zu dieser Gruppe gehört, sich über einen bestimmten Absatz der Bibel unterhielten und ihn interpretierten. Für mich wirkte es so, dass es allen wirklich wichtig war, was der Leiter der Gruppe, der den Absatz interpretierte, sagte, und es war eine sehr andächtige Stimmung. Manche brachten Erfahrungen aus ihrem Leben mit ein, und der Leiter gab ihnen daraufhin Ratschläge. Meine Gruppe hatte außerdem ein Plakat gemacht, das glaube ich den Absatz der Bibel thematisierte, über den geredet wurde. Nach etwa einer halben Stunde setzten wir uns dann in die Kirche. Dort gab es zwei Redner, die emotionale Reden über Gott vortrugen, es wurde gesungen und Musik gemacht. Währenddessen kamen und gingen immer wieder Leute und man stellte sich häufig, um Passagen aus der Bibel zu lesen (fast jeder hatte eine eigene dabei), ergriffen seine Arme zu heben oder "Amen" zu rufen. Dann kam der Pfarrer, der eindeutig die wichstigste Person des Gottesdienstes war. Er trug eine Stelle aus der Bibel vor und redete darüber, und dann stellte er auf einmal mich vor. Ich sollte mich hinstellen und viele kamen, um mir die Hand zu schütteln und mich willkommen zu heißen. Das war sehr überraschend für mich. Danach redete der Pfarrer weiter, leider konnte ich nicht so viel verstehen, aber alle waren sehr emotional, hebten immer wieder die Arme, schlossen die Augen oder sagten "Amen". Gegen 12:30 Uhr kam dann meine Nichte zu mir und zusammen sind wir wieder nach Hause gegangen. Der Gottesdienst geht normalerweise bis 14 Uhr, meinte sie, aber es scheint normal zu sein, sich nur einen Teil anzuhören. Ich vermute, ich bin jetzt Teil der Gemeinde und das war bestimmt nicht das letzte Mal, dass ich in einem Gottesdienst war.

Donnerstag, 21. September 2017

Das Post-Arrival-Camp

Aussicht in der Nähe des Hotels
Als ich letzten Freitag Nachmittag eine Menge Reiserucksäcke und weiße, große Jugendliche gesehen habe, wusste ich, das Post-Arrival-Camp hatte begonnen. Im Bus fuhren wir von unserem Treffpunkt zum Hotel, das etwas außerhalb von Penonomé lag und umgeben war von Bäumen. Wir hatten große Zimmer und abends gab es direkt ein besonders typisches Essen: Reis mit Hühnchen, dazu Kartoffelsalat.
Samstags sind wir zu einem Fluss in der Nähe gegangen, nur wurde uns nicht mitgeteilt, dass wir den auch durchqueren sollten. So kam es, dass wir bepackt mit Kameras, Kleidung (wir hatten Badesachen an), Schuhen und ähnlichem bauchtief durch den Fluss wateten
Auf dem Weg durch den Fluss
und gegen die Strömung kämpften. Danach ging es einen schmalen Pfad entlang zu einem anderen Teil des Flusses, wo eine Stromschnelle war. Uns wurde vorher gesagt, wir würden zu einem Wasserfall gehen. Das traf es zwar nicht ganz, aber es war trotzdem sehr schön und wir konnten eine Weile in dem Fluss schwimmen und von den Felsen hineinspringen, bevor es wieder zurück ging. Der Fluss war eindeutig das Highlight des Camps, ansonsten hatten wir nämlich nur einen Workshop und viel Zeit, um uns zu unterhalten. Es war aber wirklich schön, alle Freiwilligen mal wiederzusehen, und interessant, von den vielen unterschiedlichen Erfahrungen zu hören, die alle in ihren Familien und Projekten bisher so gemacht haben.
Leider konnte ich, wie die meiste Zeit bisher, auf dem Camp keine Fotos mit meiner Kamera machen, da der Akku hier irgendwie immer leer ist.
Letztes Foto, bevor es runter zum Fluss ging
Muss die Kamera wohl immer am gleichen Tag aufladen, an dem ich Fotos machen will.



Donnerstag, 14. September 2017

Meine ersten Tage im Projekt

Letzte Woche Dienstag war es endlich soweit: Mein erster Arbeitstag. Früh morgens sind meine Schwester und ich zum Mides aufgebrochen, um noch letzte Sachen wegen des Formulars zu klären, und von dort aus wurde ich direkt mitgenommen. Im Hogar de Niñas angekommen wurde ich kurz allen Kollegen vorgestellt und konnte dann dabei helfen, ein Plakat über die Bibel zu erstellen, weil der September der Monat der Bibel ist und nicht viele Mädchen da waren, mit denen ich etwas hätte machen können. Danach habe ich mich noch kurz mit einem Mädchen unterhalten und ihr dabei geholfen, einen englischen Text zu übersetzten. Nachmittags kamen dann mehr Mädchen und ich konnte einigen dabei helfen, die Aussprache eines französischen Textes zu üben.
Meine Aufgabe besteht hier eigentlich darin, bei Englisch und Französisch zu helfen, weshalb ich
Arbeitsraum (der grüne Fleck ist eine Kollegin)
eigentlich immer im "Arbeitsraum" bin, wo die Kinder Schulaufgaben erledigen und lernen. Neben mir sind immer noch zwei bis drei andere Frauen da, die für die Kinder drucken, ihnen Materialien wie Stifte und Schnellhefter geben, und Fragen beantworten. Insgesamt gibt es 35 Mädchen, von denen einige von 7 Uhr bis 12 Uhr und andere von 14 Uhr bis 19 Uhr Schule haben, wodurch sowohl vormittags als auch nachmittags Kinder da sind. Alle sind soweit ich weiß so zwischen 14 und 18 Jahre alt. Leider kommen sie ziemlich selten mit Fragen zu mir, was glaube ich zum einen daran liegt, dass sie sich nicht trauen, aber auch, weil momentan Klausurenphase ist und die Kinder auch für andere Fächer lernen müssen und nicht so viele Aufgaben haben. Für mich bedeutet das allerdings: warten. Ich nutze die Zeit, um Spanisch zu lernen, aber sehr viel gibt es sonst auch nicht, was ich machen kann. Die anderen Frauen scheinen auch nicht so viel zu tun zu haben, vielleicht ist das hier also normal. Sie sind oft am Handy und unterhalten sich viel, was Panameños generell sehr gerne machen. Es ist aber interessant zu hören, was für Gesprächstthemen unterschiedliche Personen so haben.
Eines der Schlafzimmer
Ich habe die Hoffnung, dass ich vielleicht nach der Klausurenphase noch andere Sachen mit den Mädchen machen kann, vielleicht ein Freizeitprogramm anbieten oder ähnliches, damit ich mich noch ein bisschen sinnvoll hier einbringen kann. Nächste Woche sind die Mädchen erstmal alle für eine Woche weg, weil Ferien sind und sie zu ihren Eltern fahren. In der Zeit werden wir hier aufräumen, putzen und anderes. Darauf bin ich schon gespannt.
Heute wurde ich auch von einer Kollegin herumgeführt und konnte ein paar Fotos machen. Das Gelände ist relativ groß und es wird sogar einiges angebaut wie zum Beispiel Platanos (Kochbananen).
Morgen fängt außerdem mein Post-Arrival-Camp an und ich treffe die anderen Freiwilligen wieder. Es findet sogar hier in Penonome statt! Mehr dazu dann demnächst :)