Donnerstag, 21. Dezember 2017

Weihnachtszeit in Panama

Heute musste ich überrascht festellen, dass in drei Tagen schon Weihnachten ist und ich schon seit 4 Monaten hier bin!
Der Dezember ist hier aber wirklich anders als in Deutschland, und so richtig in Weihnachtsstimmung bin ich dadurch irgendwie nicht. Anders als in Deutschland gibt es aber auch keine Weihnachtsmärkte, und generell auch weniger Weihnachtsfeiern oder ähnliches. Stattdessen ist der Dezember vor allem von einer Sache geprägt: Graduaciones und Beginn der Ferien. Eine Graduación ist eigentlich nur eine Entlassungsfeier, die hier nach dem neunten Schuljahr, nach dem Abitur und nach einem Uni-Abschluss stattfindet. Da meine Gastnichte dieses Jahr mit der neunten
Klasse fertig wurde, hatte ich gestern die Chance, auch auf so einer Feier dabei zu sein.
Die Überreichung des Zeugnisses
Ich ging dort mit meiner Gastschwester, meiner Gastschwägerin und ihrem 7-jährigen Sohn hin. Wir haben uns schick angezogen und hatten auch zwei kleine Geschenke für meine Gastnichte. Hier scheint es sehr üblich zu sein, Ballons, auf denen etwas wie "Glückwunsch zum Abschluss" oder ähnliches steht, und Stofftiere mit Doktorhut zu verschenken. Die Feier war eigentlich nicht viel anders als in Deutschland, es wurden einige Reden von verschiedenen Lehrern und Schülern gehalten, besondere Erwähnungen und Auszeichnungen vergeben und anschließend die Zeugnisse verteilt. Ich hatte allerdings nicht damit gerechnet, dass auch ein Pastor kommen würde. Dieser hielt am Anfang der Feier eine Art Predigt. Religion spielt hier eben häufig eine größere Rolle als in Deutschland, was mich immer wieder aufs Neue überrascht. Außerdem fiel mir auf, dass die Klassen wesentlich kleiner waren, die kleinste Klasse bestand aus 11 Schülern und die größte aus 20, dafür gab es aber auch 6 Klassen. Nach dem Verteilen der Zeugnisse haben wir noch ein paar Fotos gemacht und sind wieder nach Hause gefahren, meine Nichte ist noch etwas geblieben, um sich von Freunden zu verabschieden.
Was habe ich sonst noch so gemacht die letzten Tage?
Die Cinta Costera
Ein eindeutiges Highlight war für mich die Reise nach Panama-Stadt mit einem großen Teil meiner Familie letztes Wochenende. Ich bin dort mit zwei meiner Gasttanten, meinem einen Gastbruder und seiner Familie, und anderen Söhnen und Enkeln einiger Gasttanten hingefahren. Insgesamt waren wir 13 Leute, also eine recht große Gruppe. Ich durfte auch direkt lernen, wie Reisen in meiner Gastfamilie zugeht. Da ich die einzige Person war, die morgens pünktlich fertig war, sind wir zwei
Stunden später als geplant aufgebrochen, und im Hostel angekommen, haben wir erstmal vier Stunden lang nur gewartet und Mittag gegessen, da es draußen so heiß war. Das war schon ein Schock für mich, ich bin es eher gewohnt, dass es selbstverständlich ist, sich den ganzen Tag die Stadt anzugucken. Am späten Nachmittag sind wir dann die Cinta Costera, eine Strecke, die an der Küste entlang führt und von der aus man auch einen schönen Blick auf die Skyline von Panama-Stadt hat, entlang gelaufen. Das war wirklich schön. Am nächsten Tag waren wir noch etwas shoppen und sind dann wieder nach Hause gefahren. Ich muss zugeben, so richtig was gesehen von Panama-Stadt habe ich auf unserem kurzen Trip irgendwie nicht, aber es war trotzdem schön, etwas mit meiner Familie zu unternehmen.
Letzte Woche war ich außerdem abends mit meiner Schwägerin und ihrem Sohn auf einem Fest im
Im Park
Park von Penonomé. Dezember ist der Monat des Patrons von Penonomé, weshalb es eine Zeremonie in der Kirche gab. Dementsprechend viele Menschen waren dort, aber auch der Park war voll. Alles war mit weihnachtlichen Lichtern dekoriert und die Kinder spielten Fangen, während wir uns auf eine Bank setzten. In der Kirche wurden Lieder gesungen und  später gab es sogar noch ein Feuerwerk. Als auf einmal jemand mit einem Stierkostüm auf dem Rücken herumlief, aus dem auch Feuerwerk kam, und die Menschen anfingen zu schreien und aus dem Park zu laufen, habe ich mich aber schon erschrocken. Das scheint aber eine weitere Tradition hier zu sein, und es ist auch niemandem etwas passiert.
So richtig weihnachtlich wurde es dann heute, als ich nachmittags mit meiner Schwägerin und ihrem Sohn auf ein Kinderfest der Kirche ging. Es waren sehr viele Kinder da, die scheinbar alle in unserem Wohnviertel leben. Wir saßen um Tische und zunächst hat eine Frau mit den Kindern gesungen, bis dann die Feuerwehr kam und eine kurze Rede gehalten wurde, und anschließend ein Clown und eine andere kostümierte Frau auftraten. Dann wurde auf lustige Weise die Weihnachtsgeschichte erzählt und anschließend gab es verschiedene Spiele für die Kinder. Außerdem wurden Pizza und Saft verteilt. Am Ende hat jedes Kind noch ein Geschenk und Süßigkeiten bekommen, was eindeutig das Highlight der Veranstaltung war. Eine Piñata durfte natürlich auch nicht fehlen. Ich fand es echt schön, dass die Kirche hier so eine Feier zu Weihnachten organisiert, und alles umsonst ist, das Essen, die Spiele und die Geschenke. Dadurch können wirklich alle Familien daran teilnehmen.
Morgen gibt es auch noch Weihnachts-Desfiles in Penonomé, und ich werde dort mit AFS mitlaufen! Als ich zum ersten Mal davon gehört habe, dass es hier auch Desfiles zu Weihnachten gibt, war ich schon sehr erstaunt, und das, was ich von den Desfiles in Panama-Stadt im Fernsehen gesehen habe, sah für mich schon sehr ungewöhnlich aus. Ich bin aber auf jeden Fall schon sehr gespannt, wie das wird.

Samstag, 9. Dezember 2017

Santa Fé, Weihnachtsessen & Día de la Madre

Meine erste Ferienwoche habe ich natürlich sofort zum Reisen genutzt! Sonntag ging es mit einer anderen Freiwilligen nach Santa Fé, ein Dorf mitten in den Bergen und im Dschungel Panamas. Schon während der Fahrt im Bus konnten wir sehen, wie wir weg von der Stadt kamen und die
Straßen immer hügeliger wurden. Wir übernachteten in einem kleinen Hostel, in dem neben uns nur vier andere Gäste waren. Eine Frau dort beriet uns direkt freundlich, was wir in Santa Fé so machen könnten, und noch am gleichen Tag gingen wir zu einem Fluss, in dem man baden konnte. Leider war die Strömung zu stark zum schwimmen und das Wasser ziemlich kalt, aber es war ein schöner, kurzer Ausflug. Abends gingen wir dann mit einer Französin, die momentan alleine durch Panama reist, zu einem kambodschanischen Restaurant. Das Essen war scharf, aber mal eine Abwechslung zu dem wenig gewürzten panamaischen Essen.
Am nächsten Tag entschieden wir uns dazu, zu einem Wasserfall zu wandern. Dazu mussten wir allerdings eine befahrene Straße hinauflaufen, was in der Mittagshitze echt anstrengend war. Unterwegs hatten wir aber eine gute Aussicht. Der letzte Teil führte dann durch den Wald. Es war schon recht rutschig, und wir kletterten zwischen Wurzeln und Steinen einen matschigen Trampelpfad hinunter. Wie sich aber herausstellte, führte dieser uns nicht zur richtigen Stelle im Fluss, und so sollten wir die Wasserfälle von Altos de Piedra nie zu Gesicht bekommen. Da es auch noch langsam anfing, zu regnen, liefen wir nach einer kurzen Pause wieder zurück. Bergab und im Regen war der Weg zum Glück angenehmer zu laufen.
Dienstag wollten wir es dann ruhiger angehen und erstmal in ein paar Läden gehen, die selbstgemachten traditionellen Schmuck verkauften, schließlich war Freitag hier in Panama Muttertag, da brauchten wir natürlich ein Geschenk. Leider hatten die Läden aber zu.
Nachmittags haben wir dann "Inner Tubing" gemacht. Wir beide hatten vorher noch nie davon gehört, aber nachdem wir davon gelesen hatten, war uns schnell klar, dass wir das probieren mussten. Und so ging es in Rettungsweste auf einem Reifen den Fluss hinunter. Da es viel geregnet hatte, war die Strömung an einigen Stellen recht schnell und man stieß sich auch öfters mal an Felsen, was die Fahrt etwas abenteuerlicher machte. Gerade an den ruhigen Stellen konnten wir aber auch einfach die Aussicht genießen. Wir fuhren mitten durch den Dschungel, außer uns war weit und breit kein Mensch zu sehen, und aus den Bäumen kamen Geräusche von Vögeln und anderen Tieren. Es war eine sehr schöne Fahrt, auch wenn ich am Ende das Pech hatte, zwischen lauter Felsen hängen zu bleiben.
Mittwochs hatten wir dann doch nochmal Gelegenheit, ein Geschenk für unsere Gastmütter zu besorgen, und dann ging es schon auf den Rückweg. Für mich hieß das aber, direkt nach Panama-Stadt weiterzufahren, da die deutsche Botschaft am 7. Dezember alle weltwärts-Freiwilligen zu einem Mittagessen eingeladen hatte. Deswegen traf ich mich mit ein paar anderen abends in der Stadt und übernachtete in einem anderen Hostel. Das war schon ein großer Kontrast zu dem kleinen Santa Fé! Panama-Stadt ist sehr westlich geprägt, es gibt viele Hochhäuser und alles ist wesentlich moderner als in den restlichen Städten des Landes. Selbst das Hostel war riesig und man konnte dort lauter Backpacker aus allen möglichen Ländern antreffen!
Das Essen fand in dem Haus eines Botschafters statt. Dort bekamen wir doch tatsächlich deutsches Essen, das sogar geschmeckt hat! Es war auch eine gute Gelegenheit, die weltwärts-Freiwilligen der anderen Organisationen kennenzulernen, auch wenn die meisten von AFS waren. Abends ging es dann wieder auf den Weg nach Hause, denn am nächsten Tag war ja der Día de la Madre, Muttertag.
Anders, als ich erwartet hätte, war das aber ein recht normaler Tag, an dem zwar alle frei hatten, aber nicht so viel gemacht wurde. Meine Gastmutter besuchte mit meiner Gastschwester noch die Großmutter, und ich hatte einen ruhigen Tag zuhause.
Auch wenn ich durch das Wetter noch gar nicht richtig in Weihnachtsstimmung bin, ist hier schon alles festlich geschmückt. Sogar einen Adventskranz haben wir! Und die Tür wurde mit Geschenkpapier umwickelt, das ist schon etwas gewöhnungsbedürftig für mich. Jeden Tag wird hier jedenfalls die Deko etwas mehr und ich bin schon gespannt, wann der Weihnachtsbaum dazukommt.
So sieht die Haustür zurzeit aus

Samstag, 2. Dezember 2017

Schildkrötenschlüpfen auf Isla Cañas


Letztes Wochenende hatte ich die Gelegenheit, auf der Isla Cañas, die auf der Halbinsel Panamas liegt, zusammen mit 6 anderen Freiwilligen zu zelten und mit unserem Bekannten von Mi Ambiente, mit dem wir ja auch schon Bäume gepflanzt haben, und ein paar Studenten Schildkröten nach dem Schlüpfen bei ihrem Weg ins Meer zu helfen.
Freitagmorgen machten wir uns in einem kleinen Bus auf den langen Weg zur Insel. Das letzte Stück fuhren wir dann mit einem wassertaxi, wobei wir vorher noch ziemlich lange durch Schlamm laufen mussten, in den wir teilweise knietief einsanken. Das war schon lustig, vor allem, da wir mit Zelten und Lebensmitteln bepackt waren. Auf der Insel angekommen fuhren wir durch eine Art Dorf zu dem Haus, wo wir das Wochenende über Essen, eine Toilette (eher ein Plumpsklo) und eine Dusche
bekommen würden. Auf Isla Cañas gibt es noch nicht wirklich Tourismus, und dementsprechend auch keine Hostels oder Hotels. Den Nachmittag und Abend gab es noch kein Programm, und so hatten wir Zeit, um ins Meer zu gehen und das Strandleben zu genießen. Es gab sogar Kokosnüsse! Abends haben wir dann Bekanntschaft mit einem Insekt gemacht, das ich fast noch schlimmer als die Mücken hier finde: Chitras. Kleine Fliegen, die gerne Menschenblut mögen. Das alleine ist ja noch nicht so schlimm, aber es tut schon weh, wenn die einen beißen, und nach ein oder zwei Tagen fängt der Stich an, sehr stark zu jucken. Und von den Chitras gibt es ziemlich viele, teilweise saßen um die zehn Fliegen gleichzeitig auf meinen Armen. Gut, dass wir schon darauf vorbereitet waren und Creme gegen die Stiche dabei hatten. Trotzdem bin ich jetzt voll mit denen.
Die Schildkröten kamen alle in einen Korb
Der Vivero
Samstag Vormittag ging es dann zum Vivero, eine Art Brutstätte für Schildkröteneier. Auf der Insel ist die Polizei dafür zuständig, die Eier der Schildkröten einzusammeln und sie dorthin zu bringen. Tatsächlich wurden in der Nacht von Freitag auf Samstag die Eier einer Schildkröte gestohlen, bevor die Polizei sie einsammeln konnte, aber grundsätzlich soll das durch ihre Arbeit vermieden werden. Während wir zum Vivero liefen, sammelten wir noch Müll ein, der am Strand lag. Es war schon erschreckend, wie viel Plastik wir fanden, und das, obwohl es dort keine Touristen gibt.
Dann kam ein Polizist und hat jedem von uns eine kleine Schildkröte in die Hand gegeben, die
wir zum Meer gebracht haben. Das war schon ein sehr besonderer Moment. Im Vivero gab es noch viel mehr Baby Schildkröten, die alle zusammen zum Wasser getragen wurden. Wir schauten, dass alle in die richtige Richtung liefen und den Weg ins Meer fanden. Dann gingen wir wieder zurück zum Haus und räumten weiter den Strand auf.
Den restlichen Tag konnten wir am Strand verbringen, sonntags fuhren wir dann morgens wieder nach Hause.
Insgesamt war es ein sehr schönes und entspanntes Wochenende, und ich werde wohl nie das Gefühl einer kleinen, zappelnden Schildkröte in meiner Hand vergessen. Vielleicht konnte ich damit einen kleinen Beitrag zum Schutz der Schildkröten leisten oder zumindest zeigen, dass das Thema wichtig ist und die Arbeit, die die Polizisten dort leisten, wertgeschätzt wird.
Sonst gibt es eigentlich nicht so viel Neues bei mir, ich habe jetzt erstmal sehr lange frei, da die Kinder in den Sommerferien zu ihren Eltern fahren und ich deswegen auf der Arbeit nichts zu tun hätte. Mal sehen, was ich in der Zeit so alles machen werde, ich hoffe, bei anderen Projekten mithelfen zu können und etwas durch Panama zu reisen :)

Dienstag, 21. November 2017

3 Monate Panama - 15 Eindrücke von meinem Leben am anderen Ende der Welt

Ich kann es kaum glauben, aber tatsächlich lebe ich jetzt schon seit 3 Monaten hier! In dieser Zeit konnte ich schon sehr viele Eindrücke von dem kleinen Land in Zentralamerika sammeln, einige, die mich überrascht oder schockiert haben, andere, die ich lustig fand oder nur schwer akzeptieren konnte. Auf jeden Fall tauche ich hier in eine komplett andere Kultur ein und hoffe, in den nächsten Monaten noch ein tieferes Verständnis für sie zu bekommen, aber hier kommen schon mal 15 Eindrücke und Unterschiede, die mich gerade am Anfang beschäftigt haben oder mich immer noch beschäftigen.


1. Ernährung
Ein typisches Abendessen
Natürlich ist das Essen einer der Unterschiede, der einem als erstes wirklich auffällt. Hier in Panama ist es üblich, viel Hühnchen und viel Reis zu essen, letzteren häufig mindestens einmal am Tag. Als Beilage zum Reis essen wir auf der Arbeit oft Bohnen oder Linsen, zuhause auch häufig Salat oder Kochbanane. Durch das tropische Klima gibt es auch anderes Obst und Gemüse, allerdings werden in meiner Gastfamilie leider nicht so viele Früchte gegessen. Es wird recht viel frittiert bei mir und meine Gastfamilie trinkt gerne Saft oder Limo, aber dafür ist nicht so viel Süßes im Haus. Einen ausführlichen Post zum Essen werde ich aber auf jeden Fall noch schreiben :)





2. Musik
Musik hört man hier, wenn man unterwegs ist, sehr viel, in den Bussen ist sie sehr laut, und auch die Nachbarn bei mir hören gerne laut Musik. Typisch ist Reggaeton, aber es gibt auch andere Richtungen, da kenne ich mich momentan noch nicht so aus. Natürlich ist eigentlich alles auf Spanisch. Die traditionelle Folklore-Musik enthält oft Akkordeons und der Gesang erinnert teilweise etwas an Jodeln.


3. Familie
Eine Sache, über die ich mit meiner Gastmutter schon recht früh geredet habe, ist, dass es hier ziemlich unüblich ist, dass die Kinder ins Ausland gehen oder generell längere Zeit weg von Zuhause bleiben. Bei uns lebt ein Großteil der Familie in der Nachbarschaft und der Zusammenhalt ist sehr stark, es wird alles geteilt und häufig sitzt man abends zusammen auf der Veranda und redet. Ich habe aber auch schon von anderen Freiwilligen gehört, wo das anders ist.


4. Tiere
Auch andere Tiere gibt es hier natürlich: Geckos laufen an den Wänden im Haus entlang, in einem kleinen Fluss habe ich schon Schildkröten gesehen und Schlangen gibt es auch. Man sieht auch sehr viele unterschiedliche, ziemlich bunte Vögel, und ich bin mir sicher, es gibt für mich noch viele andere Tiere zu entdecken. Straßenhunde und Katzen sieht man auch sehr viel häufiger als in Deutschland. Außerdem gibt es jede Menge Insekten, riesige Kakerlaken, die manchmal im Haus auftauchen, viele beißende Ameisen und schrecklich viele Mücken, die mich schon die ganze Zeit zerstechen. Auch wenn ich Mückenspray benutze, schaffen sie es doch, mich immer wieder mit neuen Stichen zu überraschen.
 
Nachbarn von uns haben sogar einen Tukan


5. Wasser/Strom 
Mal ganz abgesehen davon, dass ich mich am Anfang noch an den Chlorgeschmack des Leitungswassers hier gewöhnen musste, ist es, zumindest in meiner Wohngegend, normal, wenn es mindestens einmal in der Woche kein fließendes Wasser gibt. In anderen Wohngegenden ist es besser, in anderen schlechter. Tatsächlich hatten wir vor kurzen schon mal für fast zwei Wochen nur an ein paar Tagen für wenige Stunden Wasser. Das war schon seltsam, aber ich hätte nie gedacht, dass man auch so gut ohne fließendes Wasser auskommen kann. Wir sammeln das in meiner Familie immer in großen Eimern und anderen Gefäßen. Die meiste Zeit dusche ich hier sowieso mit einem Eimer, da die Dusche nicht wirklich funktioniert. Warmes Wasser gibt es eigentlich in keinem Haushalt, außer vielleicht, wenn die Familie viel Geld hat.
Auch der Strom ist manchmal weg, das ist aber bisher noch nicht so oft passiert und wenn dann auch nur ein paar Stunden. Gut, dass ich meine Taschenlampe mitgenommen habe :)
Zumindest in meiner Familie wird das alles ziemlich locker genommen, ich glaube, sie sind das einfach so gewohnt. Irgendwie hat mir das aber geholfen, selbst gelassen damit umzugehen. Wenn ich ausgerechnet an dem Tag, an dem es kein Wasser gibt, waschen will, ist das natürlich ärgerlich, und mir passiert das viel zu oft, aber die Welt geht davon nicht unter.


6. Toilette
Ja, auch die Toilette ist hier anders! Das Toilettenpapier wird nämlich oft in einen Eimer neben die Toilette geschmissen und nicht in die Toilette. Da die Rohre sonst verstopfen, hatte ich jedes Mal, wenn ich das aus versehen vergessen hab, ein wenig Sorgen. Ist aber alles gut gegangen, und inzwischen habe ich mich daran gewöhnt.


7. Pfeifen
Was ich immer noch etwas nervig finde, ist, dass Männer häufig gerade weißen Mädchen hinterherpfeifen oder etwas rufen wie "Blonde", "Amerikanerin" oder "Hello" (viele halten uns einfach direkt für US-Amerikaner). Auch vorbeifahrende Autos, und sogar Busse und LKWs hupen einen an. Da kann man sich schon bei erschrecken!      


8. Kosten/Preise
Was uns direkt am Anfang aufgefallen ist: Shampoo und Deo ist hier echt teuer! Dafür ist aber vieles 
auch günstiger, so wie Essen, Kleidung, und Busfahren.


9. Wetter
Die hohe Luftfeuchtigkeit und die Hitze haben mich am Anfang schon echt fertig gemacht, und es gab Tage, da wollte ich einfach gar nichts machen. Aber eine gute Nachricht: es ist möglich, sich an das Wetter zu gewöhnen. Mir ist zwar immer noch oft heiß, den Panameños aber auch, und manchmal finde ich es sogar etwas frisch. Ansonsten gibt es hier im Gegensatz zu Deutschland nur zwei Jahreszeiten, Regenzeit und Sommerzeit. Momentan befinden wir uns in der Regenzeit, was bedeutet, dass es meistens einmal am Tag für etwa 2 Stunden oder länger ziemlich heftig regnet.
 
Das beschreibt die Situation ganz gut :)


 
10. Handy/Fernseher
Hier kann ich natürlich wieder nur für meine Familie sprechen (auch wenn andere Freiwillige oft Ähnliches erzählen), aber bei mir zuhause wird ziemlich viel Zeit am Handy oder vor dem Fernseher verbracht. Gerade, dass meine Schwester, mit der ich ein Zimmer teile, so viel am Handy beschäftigt ist, war für mich am Anfang etwas befremdlich, und ich habe schon jetzt wesentlich mehr Fernsehen geguckt, als ich es in Deutschland in einem Jahr tue, was auch daran liegen kann, dass ich ja erst später angefangen habe zu arbeiten, und nicht so viele Beschäftigungen hatte. Aber generell ist es schon so, dass immer der Fernseher läuft, wenn jemand im Wohnzimmer sitzt. Was genau läuft, kommt dann darauf an, wer grade guckt. 


In einem Hostel
11. Hängematten
 Hängematten sind schon was Schönes! Bei mir in der Wohngegend und auch in einigen anderen Wohngegenden ist es üblich, dass die Häuser vorne überdachte Veranden haben, wo Hängematten hängen und Schaukelstühle oder andere Sitzgelegenheiten stehen. Oft sitzen wir draußen und unterhalten uns mit Nachbarn oder entspannen einfach ein wenig. Dazu passend: solange jemand zuhause ist und nicht grade schläft, ist auch die Haustür immer auf, und wir haben fast immer irgendjemanden zu Besuch.
 

12. Essen ohne Messer
Mein erstes Essen auf der Arbeit war eine kleine Überraschung für mich: während ich zuhause immer noch ein Messer bekommen habe, geht es dort etwas anders zu. Es wird nur Gabel oder Löffel benutzt und Fleisch einfach mit der Hand gegessen. Danach sind die Hände meistens fettig und schmutzig, was ich echt seltsam fand, aber ich arbeite daran, mich da etwas geschickter anzustellen.

  
13. Direktheit bei Aussehen
In Deutschland ist es sehr unhöflich, hier muss man sich aber nicht angegriffen fühlen, wenn man als dick und klein beschrieben wird oder Kommentare kommen wie: "Du wirst hier echt zunehmen", oder "Du hast schon zugenommen".


14. Gastfreundlichkeit
Immer, wenn ich bisher in einem anderen Haus zu Besuch war, war ich von der großen Gastfreundlichkeit überrascht. Es wird alles dafür getan, dass man sich wohl fühlt, und ich hatte immer das Gefühl, man freut sich über meinen Besuch. Viele Panameños wollen auch Ausflüge mit mir machen und mir etwas von Panama zeigen, ob das dann aber klappt, ist immer noch eine andere Frage.

  
15. Spontanität
Panameños sind wirklich spontan, und oft werden Dinge auf den letzten Drücker geplant oder nochmal verändert. Die Arbeitskollegin fragt einen Tag vorher, ob wir am nächsten Tag mit ihr Kaffee trinken wollen, meine Gastschwester verkauft einen Tag vor ihrer Studienreise noch Essen, um Geld zu sammeln, und mein Gastbruder fragt mich 10 Minuten, bevor wir aufbrechen, ob wir nicht ins Kino gehen wollen. Planen ist hier echt schwierig und wird meistens nur unter den deutschen Freiwilligen gemacht. Bei Reisen ist das aber nochmal etwas anderes, glaube ich.

Am Wochenende war ich übrigens mit ein paar Freiwilligen in Playa Venao, ein Strand auf der Halbinsel Panamas, etwa vier Stunden von Penonomé entfernt. Panama hat nämlich auch eine sehr andere Landschaft als Deutschland :)

Mittwoch, 8. November 2017

Nationalfeiertage in Panama

Jetzt ist doch tatsächlich schon November! Und während es in Deutschland langsam auf den Winter zugeht und ihr sicher schon ein paar wärmere Kleidungsstücke rausholen musstet, laufe ich hier immer noch im T-Shirt herum und feiere den "mes de la patria", den Monat der Heimat. Ja, das wird hier einen ganzen Monat gefeiert. Im Gegensatz zu Deutschland hat Panama nämlich gleich mehrere Nationalfeiertage, die alle im November liegen. Da am 3.11. die Unabhängigkeit von Kolumbien, am 4.11. der Tag der Flagge und nationalen Symbole und am 5.11. der Colón-Tag (eine Provinz in Panama) gefeiert werden, hatten wir vom 2.11. bis 6.11. alle frei. Nationale Feiertage bedeutet vor allem jede Menge Desfiles (was genau das ist, könnt ihr in diesem Post nochmal nachlesen). Am 3.11., 4.11. und 6.11. gab es Desfiles in Penonomé, wobei am 6.11. die größten Desfiles waren, die den ganzen November in unterschiedlichen Städten sein werden und vorher auch schon in Aguadulce waren. Allerdings schaut sich lange nicht jeder Panameño das ganze an. Viele fahren über die Feiertage weg oder genießen einfach die Ruhe zuhause. Ich selbst habe irgendwie sehr viele unterschiedliche Sachen gemacht und werde hier "kurz" zusammenfassen, wie meine Feiertage so waren :)
Lesen lohnt sich! (behaupte ich mal)

Donnerstag, 2. November

Die Aussicht unterwegs
Auch wenn erster Ferientag war, bin ich Donnerstag früh aufgestanden, da ich mich um 7 Uhr mit eine Mädchen aus dem Kinderheim getroffen habe. Die Mädchen sind über die Feiertage alle nach Hause gefahren, und Aura (das Mädchen, mit dem ich mich getroffen habe) hat mich zu sich nach Hause eingeladen! Der Weg zu ihr war für mich ein ziemliches Abenteuer, da wir erst eine Stunde mit dem Bus unterwegs waren und dann noch einmal 1,5 Stunden zu Fuß oder auf dem Pferd. Ihr könnt euch bestimmt schon denken, wer auf dem einzigen Pferd sitzten sollte, das es gab: ich natürlich. Da sie wussten, dass ich gar nicht reiten kann, wurde das Pferd zum Glück von jemandem geführt, aber ich war schon ziemlich nervös, da der Weg matschig war und es häufig bergauf und
Ankunft im Dorf
bergab und ein paar Mal durch einen Fluss ging. Ich war echt erleichtert, dass das Pferd da nie ausgerutscht ist. Es schien aber so, als ob ich die Einzige mit diesen Sorgen war, alle anderen waren ziemlich locker. Neben Aura leben in dem kleinen Dorf Vito noch drei andere Mädchen aus dem Kinderheim. Sie leben in sehr einfachen Verhältnissen, ohne viel Luxus, aber der Ort ist unglaublich schön. Schon auf dem Weg war ich beeindruckt von der Aussicht und dem ganzen Grün, das uns umgab, und im Dorf war das nicht anders. Häuser standen vereinzelt herum, und es gab noch eine Kirche, eine kleine Grundschule (nur zwei Lehrer unterrichten dort!), und eine öffentliche Telefonzelle. In den Gärten der Häuser wuchsen ziemlich viele Obstbäume, daneben aber noch Kaffee- und Gewürzpflanzen oder ähnliches. Aura konnte sie mir alle benennen. Überall liefen Hunde und Katzen herum (wie eigentlich auch in

Penonomé), aber im Gegensatz zu meinem Zuhause, wo die Hühner in einem kleinen Stall leben, durften auch diese sich frei bewegen. Daneben gab es noch viele andere Tiere, zum Beispiel bunte Vögel. Aura lebt mit ihrer Mutter zusammen in einem kleinen Holzhaus, wo ich die Nacht über bleiben durfte. Leider hat es Donnerstag recht viel geregnet, weshalb wir nicht zum Fluss gehen konnten, aber mir wurde sehr viel von dem Dorf gezeigt und ich habe sehr viele neue Erfahrungen gemacht. Alle Menschen in dem Dorf waren unglaublich freundlich und großzügig, und die meisten wirkten zufrieden mit ihrem Leben, auch wenn sie wahrscheinlich nicht viel Geld hatten. Die Mutter von Aura hat mir davon erzählt, in welchen Verhältnissen sie früher gelebt hat, und das war wesentlich extremer. Es fehlt zwar immer noch ein Kühlschrank, das wenige Licht wird durch Solarzellen gewonnen und die Straßen sind unbefestigt und matschig, aber trotzdem habe ich das Gefühl bekommen, dass man in diesem kleinen Dorf in den Bergen ein gutes Leben führen kann.

Freitag, 3. November

Wieder hieß es früh aufstehen und es ging den ganzen Weg zurück nach Penonomé. Dort war ich nämlich auf den Geburtstag meines Locals eingeladen, also die Person von AFS, die sich bei Fragen
und Problemen um die Freiwilligen und Austauschschüler kümmert. Er wurde 25 Jahre alt und hat das groß gefeiert. Das war natürlich ein ziemlicher Kontrast zu dem einfachen Leben in Vito, das ich am Tag davor kennengelernt hatte! Wir haben etwas namens "junta de embarra" gemacht, wobei man in einer Lehmgrube herumläuft und sich ganz schön schmutzig macht! Ich war hinterher von oben bis unten voll mit Lehm, weil jeder einmal reingeschubst wurde. Anschließend wurde mit dem Lehm ein Teil einer Wand für ein Haus gemacht. Das war schon lustig. Danach sind wir alle zusammen in den Fluss gegangen, um uns sauber zu machen, und wir haben ein paar Spiele gespielt. Kuchen und Arroz con Pollo (das typische Essen bei jeglichen Feiern) durften natürlich auch nicht fehlen. Bevor der Kuchen angeschnitten wurde, haben wir alle noch gesungen. Als ich dann nach Hause gekommen bin, wurde der Geburtstag meiner Gastnichte gefeiert, die an dem Tag 15 wurde. Der 15. Geburtstag ist ja bekanntlich in Lateinamerika etwas sehr besonderes. Wir haben aber zumindest an dem Tag nicht groß gefeiert, sondern nur mit Familie und Freunden zusammengesessen und gegessen. Auch für meine Gastnichte gab es natürlich einen Kuchen, und eine Tante hat ein Gebet für sie gesprochen. Von ihrer Mutter hat sie einige Schmuckstücke geschenkt bekommen, und sie wurde beim Übergeben ihres Geschenks sehr emotional. Leider habe ich nicht verstanden, ob der Schmuck eine besondere Bedeutung hatte. Alles in allem war Freitag also ein sehr voller und ziemlich kontrastreicher Tag für mich.

Samstag, 4. November

Auf dem Rückweg
Auch Samstag ging es wieder früh los für mich, ich bin nämlich mit meiner Gastfamilie zu ihrem Grundstück auf dem Land gefahren! Dort hat jedes Familienmitglied ein Stück Land mit einem mehr oder weniger fertigem Haus und es wird sehr viel angebaut. Meine Gastfamilie fährt dort regelmäßig hin, aber ich hatte bisher nie Zeit, mitzukommen, weshalb es für mich der erste Besuch war. Es war sehr interessant, die vielen verschiedenen Pflanzen zu sehen, und mittags gab es direkt Bollo aus frisch geerntetem Mais! Bollo ist ein traditionelles Gericht, das aus Mais, Mehl und Salz zubereitet wird (soweit ich weiß). Wir hatten eine schöne Aussicht von dort und es war ein interessanter Tag.

Montag, 6. November

Sonntag habe ich nichts Spannendes gemacht, deswegen lasse ich den mal weg :)
Montag war ich mit ein paar Familienmitgliedern bei den Desfiles. Da das der Tag der großen Parade war, gab es bis nachts um 3 Uhr Programm! Zusammen saßen wir auf unseren mitgebrachten Stühlen am Straßenrand und haben uns die verschiedenen Bands und Gruppen angeschaut. Es waren sogar ein paar akrobatische Sachen dabei! Und sehr viele Personen in traditioneller Kleidung. Ich muss aber sagen, dass ich es schon sehr anstrengend fand, den ganzen Tag da zu sein, und als wir dann gegen 10 Uhr abends nach Hause fuhren, war ich ziemlich fertig, was aber auch an der Mittagshitze gelegen haben könnte. Trotzdem hat es Spaß gemacht und war eine Erfahrung, auf die ich nicht gerne verzichtet hätte.


Ich habe also schon einiges erlebt die letzten Tage. Freitag ist wieder ein Nationalfeiertag und deswegen müssen wir diese Woche nur an drei Tagen arbeiten. Desfiles gibt es aber in Penonomé erst einmal nicht mehr.

Montag, 30. Oktober 2017

Happy Halloween!

Am Freitag war hier in Panama der "Día de los Estudiantes", also Tag der Schüler. Die meisten Schüler hatten frei und bei mir auf der Arbeit gab es ein großes Fest, das nicht nur den Tag der Schüler feierte, sondern auch Halloweenfeier und Verabschiedung der Schüler war, die im Dezember Abitur machen (das Schuljahr geht hier von März bis Dezember). Tagsüber haben alle fleißig beim Aufbau und bei der Dekoration unserer kleinen Bühne geholfen, und gegen 16:30 Uhr saßen wir dann erwartungsvoll auf unseren Plätzen. Die Abiturientinnen hatten ein Programm vorbereitet, bei dem es verschiedene Auftritte von Mädchen gab, die tanzten oder sangen, es wurden Abschiedsreden gehalten und Spiele mit den Erziehern gespielt. Die 8 Mädchen hatten alle Kostüme an und das Programm war sehr lustig und unterhaltsam. Besonders witzig fand ich das letzte Spiel, bei dem alle Erzieher in zwei Gruppen aufgeteilt wurden und dann im Prinzip gegeneinander Dance Battles gemacht haben. Manche haben das ziemlich ernst genommen und viele konnten ganz gut tanzen.
Nachdem wir alle zusammen mit den Kindern Abendessen gegessen haben, haben wir noch ein bisschen getanzt, wobei ich hier bei den typischen Liedern noch nicht ganz verstehe, wie die Schritte sind. Die Kinder wollten aber unbedingt auch wissen, was für Musik in Deutschland so läuft, und hatten echt Spaß daran, uns beim Tanzen nachzumachen. Danach gab es noch ein Überraschungsprogramm von den Erziehern! Einige hatten Choreografien vorbereitet und haben sich sehr lustig verkleidet, sie wollten glaube ich die Sänger darstellen. Wir hatten auf jeden Fall alle viel Spaß beim Zugucken.
Der letzte Programmpunkt der Feier war der "amigo secreto" (geheimer Freund), was eine Art Wichteln war. Jeder hatte ein Geschenk für eine Person, die vorher per Los gezogen wurde, mitgebracht. Jedes Mädchen und jeder Erzieher hat dabei mitgemacht, und natürlich auch die andere Freiwillige und ich. Die Geschenke wurden aber nicht einfach verteilt, sondern zunächst der amigo secreto beschrieben. Wenn die Kinder erraten hatten, wer die Person war, wurde das Geschenk überreicht und die Person musste ihren geheimen Freund beschreiben. Bei so vielen Leuten hat das natürlich ganz schön lange gedauert. Als jeder sein eigenes Geschenk verteilt und ein neues Geschenk in der Hand hatte, war es bereits 21 Uhr und die Party löste sich auf.
Wir alle hatten während der Party viel Spaß und für die Kinder ist sie bestimmt immer ein Highlight im Schuljahr. Auf der anderen Seite war es aber auch ziemlich traurig, sich von den Abiturientinnen zu verabschieden und es flossen auch viele Tränen.
Halloween wird hier ansonsten nicht wirklich gefeiert, was ich schon überraschend finde, dafür, dass die USA doch gar nicht so weit weg von Panama sind (verglichen mit Deutschland zumindest). Da werden dieses Jahr wohl keine Kinder vor der Tür stehen und nach Süßigkeiten fragen :)

Sonntag, 29. Oktober 2017

Desfiles in Aguadulce

Ja, tatsächlich kommt hier gleich der nächste Post!
Am Wochenende konnte ich schon mal einen Eindruck davon bekommen, wie hier die Nationalfeiertage nächste Woche gefeiert werden, denn Aguadulce hat seine Gründung gefeiert.
Früh morgens bin ich mit einer anderen Freiwilligen aus Penonomé losgefahren, um zu einer anderen Freundin nach Aguadulce zu fahren. Dort gab es den ganzen Tag Paraden (Desfiles genannt)bei denen samstags hauptsächlich Schulen mitmachten, die aus ganz Panama kamen, wie ich später von meiner Schwägerin erfahren habe. Vorne weg liefen immer Personen mit der Flagge Panamas
und der Flagge der Schule, und dann kam die Band, die meist aus vielen Trommeln, Blasinstrumenten und Lyren bestand. Häufig spielten sie aber nicht Marschmusik oder ähnliches, wie man es als Deutsche vielleicht erwartet, sondern Popsongs. Hinter der Band, oder auch manchmal vorher, liefen Tänzerinnen, die mal mit Fahnen, mal mit Stäben oder auch mit Fächern tanzten, oder es kamen Jungen, die, manchmal mit Schwertern, soldatische Bewegungen machten. Am Schluss kamen dann meist ein paar Lehrer. Ab ca. 9 Uhr morgens liefen ununterbrochen Gruppen auf der Hauptstraße Aguadulces entlang, mindestens 12 Stunden! Viele Menschen hatten sich Stühle
mitgenommen und saßen am Straßenrand, um sich die Parade anzugucken. Außerdem waren, ähnlich wie schon in Antón, viele Stände aufgebaut, an denen Essen, Schmuck und Kleidung verkauft wurden, aber es liefen auch Leute herum, die Sachen wie Sonnenbrillen, Stühle, oder Platanitos, eine Art Chips aus Kochbananen, verkauften. Wir stellten uns zu den anderen Menschen an den Straßenrand und schauten der Parade zu. Eine Freiwillige war auch dabei, die mit der Schule, in der sie arbeitet, mitlief. Vormittags war es unglaublich heiß und häufig liefen die Mütter neben ihren Kindern entlang, um ihnen regelmäßig Wasser zu geben. Was noch dazukam, war, dass die Kinder teilweise Stiefel oder sogar Handschuhe trugen.
Nachdem wir mittags eine Pause von dem heißen Wetter gemacht haben, schauten wir uns nachmittags weiter die Parade an, da noch eine Gastschwester mitlief. Diese sollten wir allerdings nie sehen und irgendwann fing es an, unglaublich zu schütten. Trotz des Regens zogen die Schüler die Parade aber durch, was wir sehr beeindruckend fanden. Sie marschierten durch tiefe Pfützen und waren von oben bis unten durchnässt, während sie Lieder wie "I'm walking on sunshine" spielten oder dazu tanzten. Der Regen hielt bis abends an, und da die Panameños häufig ihren Müll einfach auf der Straße liegen lassen, verstopfte dieser auch noch einen Gulli und die Straße wurde leicht überflutet. Zum Glück war es nicht die, auf der die Parade verlief.
Abends gab es dann eine große Feier, die schon anfing, als die letzten Gruppen noch liefen. Die wurden dann sehr von der Menschenmenge bejubelt. Einige Autos waren aufgebaut, in denen Verstärker standen, aus denen laut Musik kam, und es gab mehrere DJs. Es wurde getanzt, aber viele Panameños standen auch einfach auf der Straße, unterhielten sich und tranken Bier. Viele Menschen waren gekommen und die Stimmung war fröhlich und ausgelassen. Wie lange die Party ging, weiß ich nicht genau, aber als wir gegen 3 Uhr morgens wieder nach Hause gingen, war sie noch in vollem Gange. Die Panameños feiern eben gerne :)
Ich bin jetzt schon sehr gespannt auf die Desfiles nächste Woche und hoffe, dass ich da dann auch ein paar Kinder aus meinem Projekt sehen werde. Dass die das bei so extremen Wetterverhältnissen wie Hitze oder starker Regen so durchziehen, hätte ich nicht erwartet und mir wurde dadurch nochmal bewusst, wie unglaublich wichtig den Leuten diese Feiern sind und wie stolz die Schüler, dabei mitlaufen zu dürfen. Was mich auch sehr gefreut hat, war, dass die Menschen auch während des Regens nicht nach Hause gegangen sind, sondern sich die Desfiles angeguckt haben, was doch schon wichtig ist, da die Schüler sonst ganz umsonst nass geworden wären und sich der ganze Aufwand gar nicht gelohnt hätte.

Samstag, 28. Oktober 2017

Bäume pflanzen mit "Mi Ambiente"

Letzte Woche Donnerstag bin ich mit der anderen Freiwilligen in meinem Projekt und zwei Freiwilligen aus Chitré in ein Dorf in der Nähe von Penonomé gefahren, um dort Bäume zu pflanzen.
Die beiden Freiwilligen kannten einen Mann von der Organisation "Mi Ambiente", der sich viel für die Umwelt einsetzt und häufig bei Projekten wie diesem dabei ist. Wir haben uns natürlich sehr gefreut, dass er uns mitnehmen wollte.
Die Aussicht unterwegs
Morgens um 8 Uhr trafen wir uns in Penonomé, wobei es eher 9 Uhr war, bis alle da waren, wir uns in einen Pickup quetschten und mit José (der Name des Mannes) und dem Fahrer losfuhren. Es ging raus aus der Stadt und schnell wurde die Umgebung unglaublich grün. Nach einer Weile waren die Straßen steiler und kurviger und wir hatten eine unglaublich schöne Aussicht. Da mussten wir natürlich auch einmal anhalten, um Fotos zu machen. Bald darauf kamen wir dann auch in dem Dorf San Miguel an, wo wir direkt vielen anderen Helfern von unterschiedlichen Organisationen vorgestellt wurden. Wir trafen uns in einer Schule, weshalb auch viele Schüler da waren, die uns freundlich begrüßten. Nach der Vorstellungsrunde beluden wir drei Pickups mit den Baumsetzlingen und bald darauf fuhren wir über holprige Straßen und durch zwei kleine Flüsse zu unserem Zielort. Die Fahrt war sehr abenteuerlich, da die Wege unbefestigt, steinig und teilweise sehr steil waren. Hinzu kam noch, dass wir hinten auf der Ladefläche saßen und uns da teilweise gut festhalten mussten, um nicht rauszufallen. Einmal blieben wir sogar stecken.
Das kleine Abenteuer hatte sich aber gelohnt, erkannten wir, als wir ankamen: ein idyllisches Haus stand mitten in der Natur, umgeben von Orangenbäumen und farbenfrohen Blumen. Wir durften sofort eine Orange probieren, und sie waren echt super lecker. Ich weiß nicht, ob mir die Orangen in Deutschland jetzt noch schmecken werden :)
Orangen sind hier gelb oder grün
Neben dem Haus war eine abgezäunte Wiese, in der wir die Bäume einpflanzten. Inzwischen regnete es leicht, weshalb wir nicht so viele Fotos machten, aber es war sehr spaßig. Zum Schluss bekamen wir noch zwei Tüten Orangen geschenkt, was für uns alle genug Vorrat für die ganze Woche war. Wieder in der Schule angekommen gab es ein leckeres Mittagessen mit der ganzen Gruppe, und einige Männer hielten kleine Reden, in denen sie uns vorstellten. Alle zeigten großes Interesse an uns und wir konnten viele Kontakte knüpfen, sodass wir hoffentlich irgendwann nochmal sowas machen können!
Bei dem Haus, wo wir die Bäume gepflanzt haben
Danach ging es auch schon wieder auf den Rückweg, aber zwischendurch hielten wir nochmal bei einem kleinen, hübschen Hotel an, von wo aus man einen kleinen Pfad entlang zu einem wirklich schönen Wasserfall gehen konnte. Panama ist ja bekannt für seine vielen Wasserfälle, aber das war das erste Mal, dass ich hier einen gesehen habe, und er war sehr beeindruckend. Am Wasserfall angekommen war es unglaublich windig, da das Wasser aus großer Höhe hinunterfiel, und wir badeten eine Weile in dem Fluss. Irgendwie strahlten die Natur mit dem Wasserfall und das schöne, saubere Hotel eine ruhige und friedliche Atmosphäre aus, in der man sich sicher gut entspannen könnte. Für uns ging es aber wieder nach Penonomé, wo wir uns noch kurz in ein Restaurant setzten und eine Kleinigkeit aßen, bevor wir wieder nach Hause zurückkehrten.
Der Blick vom Hotel aus
Der Tag war für mich sehr besonders und voller neuer Eindrücke, und es war toll, diese vielen netten Menschen zu treffen, die an ihre Mission glauben und denen es wichtig ist, sich für die Umwelt einzusetzten. Panama hat eine sehr schöne Natur, die durch solche Menschen hoffentlich noch lange bewahrt wird.





Mittwoch, 18. Oktober 2017

El Toro Guapo - Ein Nachmittag in Antón

Letzten Samstag ging es nach unserem wöchentlichen Sprachkurs mit den anderen Freiwilligen aus Penonomé und Aguadulce (eine Stadt, die ca. eine halbe Stunde von Penonomé entfernt liegt) zu einem traditionellen Fest nach Antón.
Nach einem entspannten Mittagessen, bei dem wir leider recht lange auf unsere Pizza warten mussten, brachen wir zur Bushaltestelle auf. Dort stand schon eine Schlange für den Bus nach Antón an, was hier ziemlich ungewöhnlich ist, da die Busse sonst immer häufig genug fahren, dass man nicht lange warten muss. Nach einiger Zeit schafften wir es schließlich in einen Bus. Schön eng war es natürlich, aber die Fahrt dauerte nur etwa zwanzig Minuten. In Antón angekommen sah man sofort an den Personen in Polleras und anderer traditioneller Kleidung, dass das Fest "Toro Guapo" (schöner Stier) bereits im vollen Gang war. Tatsächlich wurde auch schon seit Donnerstag gefeiert, und es war der vorletzte Tag des Festes. Sobald wir in die Straße Richtung Park einbogen, empfingen uns Stände mit typischem Essen, Schmuck, Kleidung und Taschen. Ich hatte sofort das Gefühl, hier ein Stück Kultur Panamas kennenzulernen.
Eine der Bühnen
Wir trafen noch zwei andere Freiwillige, die aus Panama Stadt hergekommen waren, und gemeinsam erkundeten wir das Fest, das im Park der Stadt stattfand. Es gab etwa drei Bühnen, von denen aus laute Musik ertönte und meist Kinder und Jugendliche in traditionellen Gewändern landestypische Tänze aufführten. Das war
sehr interessant anzusehen. Ansonsten war der Platz gefüllt mit weiteren Ständen. Wir setzten uns schließlich in die Nähe eines Stiers, der wahrscheinlich nur dazu diente, dass sich ab und zu mal jemand auf ihn setzten konnte. Das hat uns allen nicht so gefallen und ich fand, dass der Stier ziemlich traurig aussah, aber wahrscheinlich gehört das einfach zu einem Fest, das "schöner Stier" heißt, dazu. Besonders beeindruckend fand ich die vielen Polleras, die meist schon sehr junge Mädchen trugen, die dazu stark geschminkt waren und einen großen Kopfschmuck, der Tembleques heißt, trugen. Die Tembleques waren meist sehr groß und prachtvoll und sahen sehr schön aus.
Der Park
Zum Unterhalten war das Fest allerdings nicht geeignet, da es ziemlich laut war, und so machten wir uns relativ schnell wieder auf den Rückweg. Später gab es wohl noch ein Ritual, bei dem Kühen Sandale angezogen wurden, was aus einer früheren Tradition heraus entstanden ist, und sonntags einen Umzug durch die Stadt, den wir auch verpasst haben, aber wir haben, glaube ich, trotzdem schon einen guten Eindruck davon bekommen, wie ein traditionelles Fest hier abläuft. Mich hat es ein bisschen an Kirmes oder Schützenfest in Deutschland erinnert, nur eben in der panamaischen Kultur und ohne den Alkohol :)