Ich
kann es kaum glauben, aber tatsächlich lebe ich jetzt schon seit 3 Monaten
hier! In dieser Zeit konnte ich schon sehr viele Eindrücke von dem kleinen Land
in Zentralamerika sammeln, einige, die mich überrascht oder schockiert haben,
andere, die ich lustig fand oder nur schwer akzeptieren konnte. Auf jeden Fall
tauche ich hier in eine komplett andere Kultur ein und hoffe, in den nächsten
Monaten noch ein tieferes Verständnis für sie zu bekommen, aber hier kommen
schon mal 15 Eindrücke und Unterschiede, die mich gerade am Anfang beschäftigt
haben oder mich immer noch beschäftigen.
1.
Ernährung
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| Ein typisches Abendessen |
Natürlich
ist das Essen einer der Unterschiede, der einem als erstes wirklich auffällt.
Hier in Panama ist es üblich, viel Hühnchen und viel Reis zu essen, letzteren häufig mindestens
einmal am Tag. Als Beilage zum Reis essen wir auf der Arbeit oft Bohnen oder
Linsen, zuhause auch häufig Salat oder Kochbanane. Durch das tropische Klima
gibt es auch anderes Obst und Gemüse, allerdings werden in meiner Gastfamilie
leider nicht so viele Früchte gegessen. Es wird recht viel frittiert bei mir
und meine Gastfamilie trinkt gerne Saft oder Limo, aber dafür ist nicht so viel
Süßes im Haus. Einen ausführlichen Post zum Essen werde ich aber auf jeden Fall
noch schreiben :)
2.
Musik
Musik
hört man hier, wenn man unterwegs ist, sehr viel, in den Bussen ist sie sehr
laut, und auch die Nachbarn bei mir hören gerne laut Musik. Typisch ist
Reggaeton, aber es gibt auch andere Richtungen, da kenne ich mich momentan noch
nicht so aus. Natürlich ist eigentlich alles auf Spanisch. Die traditionelle
Folklore-Musik enthält oft Akkordeons und der Gesang erinnert teilweise etwas
an Jodeln.
3.
Familie
Eine
Sache, über die ich mit meiner Gastmutter schon recht früh geredet habe, ist,
dass es hier ziemlich unüblich ist, dass die Kinder ins Ausland gehen oder
generell längere Zeit weg von Zuhause bleiben. Bei uns lebt ein Großteil der
Familie in der Nachbarschaft und der Zusammenhalt ist sehr stark, es wird alles
geteilt und häufig sitzt man abends zusammen auf der Veranda und redet. Ich
habe aber auch schon von anderen Freiwilligen gehört, wo das anders ist.
4.
Tiere
Auch andere Tiere gibt es hier natürlich: Geckos laufen an den
Wänden im Haus entlang, in einem kleinen Fluss habe ich schon Schildkröten
gesehen und Schlangen gibt es auch. Man sieht auch sehr viele unterschiedliche,
ziemlich bunte Vögel, und ich bin mir sicher, es gibt für mich noch viele
andere Tiere zu entdecken. Straßenhunde und Katzen sieht man auch sehr viel
häufiger als in Deutschland. Außerdem gibt es jede Menge Insekten, riesige
Kakerlaken, die manchmal im Haus auftauchen, viele beißende Ameisen und schrecklich
viele Mücken, die mich schon die ganze Zeit zerstechen. Auch wenn ich
Mückenspray benutze, schaffen sie es doch, mich immer wieder mit neuen Stichen
zu überraschen.
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| Nachbarn von uns haben sogar einen Tukan |
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5.
Wasser/Strom
Mal
ganz abgesehen davon, dass ich mich am Anfang noch an den Chlorgeschmack des
Leitungswassers hier gewöhnen musste, ist es, zumindest in meiner Wohngegend,
normal, wenn es mindestens einmal in der Woche kein fließendes Wasser gibt. In
anderen Wohngegenden ist es besser, in anderen schlechter. Tatsächlich hatten
wir vor kurzen schon mal für fast zwei Wochen nur an ein paar Tagen für wenige
Stunden Wasser. Das war schon seltsam, aber ich hätte nie gedacht, dass man
auch so gut ohne fließendes Wasser auskommen kann. Wir sammeln das in meiner
Familie immer in großen Eimern und anderen Gefäßen. Die meiste Zeit dusche ich
hier sowieso mit einem Eimer, da die Dusche nicht wirklich funktioniert. Warmes
Wasser gibt es eigentlich in keinem Haushalt, außer vielleicht, wenn die
Familie viel Geld hat.
Auch
der Strom ist manchmal weg, das ist aber bisher noch nicht so oft passiert und
wenn dann auch nur ein paar Stunden. Gut, dass ich meine Taschenlampe
mitgenommen habe :)
Zumindest
in meiner Familie wird das alles ziemlich locker genommen, ich glaube, sie sind
das einfach so gewohnt. Irgendwie hat mir das aber geholfen, selbst gelassen
damit umzugehen. Wenn ich ausgerechnet an dem Tag, an dem es kein Wasser gibt,
waschen will, ist das natürlich ärgerlich, und mir passiert das viel zu oft,
aber die Welt geht davon nicht unter.
6.
Toilette
Ja,
auch die Toilette ist hier anders! Das Toilettenpapier wird nämlich oft in
einen Eimer neben die Toilette geschmissen und nicht in die Toilette. Da die
Rohre sonst verstopfen, hatte ich jedes Mal, wenn ich das aus versehen
vergessen hab, ein wenig Sorgen. Ist aber alles gut gegangen, und inzwischen
habe ich mich daran gewöhnt.
7.
Pfeifen
Was
ich immer noch etwas nervig finde, ist, dass Männer häufig gerade weißen
Mädchen hinterherpfeifen oder etwas rufen wie "Blonde",
"Amerikanerin" oder "Hello" (viele halten uns einfach
direkt für US-Amerikaner). Auch vorbeifahrende Autos, und sogar Busse und LKWs
hupen einen an. Da kann man sich schon bei
erschrecken!
8.
Kosten/Preise
Was
uns direkt am Anfang aufgefallen ist: Shampoo und Deo ist hier echt teuer!
Dafür ist aber vieles
auch
günstiger, so wie Essen, Kleidung, und Busfahren.
9.
Wetter
Die
hohe Luftfeuchtigkeit und die Hitze haben mich am Anfang schon echt fertig
gemacht, und es gab Tage, da wollte ich einfach gar nichts machen. Aber eine
gute Nachricht: es ist möglich, sich an das Wetter zu gewöhnen. Mir ist zwar
immer noch oft heiß, den Panameños aber auch, und manchmal finde ich es sogar
etwas frisch. Ansonsten gibt es hier im Gegensatz zu Deutschland nur zwei
Jahreszeiten, Regenzeit und Sommerzeit. Momentan befinden wir uns in der
Regenzeit, was bedeutet, dass es meistens einmal am Tag für etwa 2 Stunden oder
länger ziemlich heftig regnet.
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| Das beschreibt die Situation ganz gut :) |
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10.
Handy/Fernseher
Hier
kann ich natürlich wieder nur für meine Familie sprechen (auch wenn andere
Freiwillige oft Ähnliches erzählen), aber bei mir zuhause wird ziemlich viel
Zeit am Handy oder vor dem Fernseher verbracht. Gerade, dass meine Schwester,
mit der ich ein Zimmer teile, so viel am Handy beschäftigt ist, war für mich am
Anfang etwas befremdlich, und ich habe schon jetzt wesentlich mehr Fernsehen
geguckt, als ich es in Deutschland in einem Jahr tue, was auch daran liegen
kann, dass ich ja erst später angefangen habe zu arbeiten, und nicht so viele
Beschäftigungen hatte. Aber generell ist es schon so, dass immer der Fernseher
läuft, wenn jemand im Wohnzimmer sitzt. Was genau läuft, kommt dann darauf an,
wer grade guckt.
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| In einem Hostel |
11.
Hängematten
Hängematten
sind schon was Schönes! Bei mir in der Wohngegend und auch in einigen anderen
Wohngegenden ist es üblich, dass die Häuser vorne überdachte Veranden haben, wo
Hängematten hängen und Schaukelstühle oder andere Sitzgelegenheiten stehen. Oft
sitzen wir draußen und unterhalten uns mit Nachbarn oder entspannen einfach ein
wenig. Dazu passend: solange jemand zuhause ist und nicht grade schläft, ist auch die Haustür immer auf, und wir haben fast immer irgendjemanden zu Besuch.
12.
Essen ohne Messer
Mein
erstes Essen auf der Arbeit war eine kleine Überraschung für mich: während ich
zuhause immer noch ein Messer bekommen habe, geht es dort etwas anders zu. Es
wird nur Gabel oder Löffel benutzt und Fleisch einfach mit der Hand gegessen.
Danach sind die Hände meistens fettig und schmutzig, was ich echt seltsam fand,
aber ich arbeite daran, mich da etwas geschickter anzustellen.
13.
Direktheit bei Aussehen
In
Deutschland ist es sehr unhöflich, hier muss man sich aber nicht angegriffen
fühlen, wenn man als dick und klein beschrieben wird oder Kommentare kommen
wie: "Du wirst hier echt zunehmen", oder "Du hast schon
zugenommen".
14.
Gastfreundlichkeit
Immer,
wenn ich bisher in einem anderen Haus zu Besuch war, war ich von der großen
Gastfreundlichkeit überrascht. Es wird alles dafür getan, dass man sich wohl
fühlt, und ich hatte immer das Gefühl, man freut sich über meinen Besuch. Viele
Panameños wollen auch Ausflüge mit mir machen und mir etwas von Panama zeigen,
ob das dann aber klappt, ist immer noch eine andere Frage.
15.
Spontanität
Panameños
sind wirklich spontan, und oft werden Dinge auf den letzten Drücker geplant oder
nochmal verändert. Die Arbeitskollegin fragt einen Tag vorher, ob wir am
nächsten Tag mit ihr Kaffee trinken wollen, meine Gastschwester verkauft einen
Tag vor ihrer Studienreise noch Essen, um Geld zu sammeln, und mein Gastbruder
fragt mich 10 Minuten, bevor wir aufbrechen, ob wir nicht ins Kino gehen
wollen. Planen ist hier echt schwierig und wird meistens nur unter den
deutschen Freiwilligen gemacht. Bei Reisen ist das aber nochmal etwas anderes,
glaube ich.
Am
Wochenende war ich übrigens mit ein paar Freiwilligen in Playa Venao, ein
Strand auf der Halbinsel Panamas, etwa vier Stunden von Penonomé entfernt.
Panama hat nämlich auch eine sehr andere Landschaft als Deutschland :)