In letzter Zeit frage ich mich oft: Wo ist die Zeit geblieben? Einerseits kommt es mir so vor, als wären meine ersten Tage hier in Panama, wo noch alles neu und ungewohnt war, schon Ewigkeiten her, andererseits verfliegt die Zeit wirklich schnell, und das, obwohl ich gar nicht so viel mache. Und jetzt sitze ich hier und stelle fest, dass es bereits 10 Monate her ist, seit ich meine Reise nach Panama angetreten habe und nächste Woche Donnerstag schon das End-Of-Stay Camp beginnt!
Zugegebenermaßen fehlen noch etwa anderthalb Monate, bis ich nach Deutschland fliege, also dauert es ja noch einen Moment und der Titel dieses Posts mag etwas schlecht gewählt wirken. Andererseits werde ich nur noch bis zum Camp arbeiten, und danach nur noch reisen. Jetzt sind also meine letzten Tage im Projekt und in meiner Gastfamilie, und somit irgendwie auch als Freiwillige. Nach dem Camp sollte ich mich wohl besser als Tourist bezeichnen, da ich hier nicht mehr arbeiten werde und auch nur noch kurze Zeit bei meiner Familie bleibe. Wo es genau hingeht, werde ich jetzt noch nicht verraten, ihr werdet es aber mit Sicherheit erfahren, spätestens wenn ich wieder in Deutschland bin. Ich bin auf jeden Fall schon sehr gespannt auf das Leben als Backpacker und auf die Herausforderungen und Erfahrungen, die bestimmt nochmal etwas anders sind als meine bisherhigen Erlebnisse.
Meine letzte Woche war genauso ruhig wie die vorherigen, und es fühlt sich irgendwie gar nicht so an, als ob das hier meine letzten Tage in der Familie und im Projekt sind. Allerdings bekomme ich von meiner Familie schon häufiger zu hören, dass sie mich doch vermissen werden und ich sie bald wieder besuchen kommen soll. Langsam beginnen die Vorbereitungen für meinen Abschied und auch um Souvenirs muss ich mich bald kümmern. Einerseits kann ich es kaum erwarten, endlich zu reisen, und ich freue mich auch schon, meine Familie und Freunde in Deutschland wiederzusehen und mit der Uni anzufangen, andererseits möchte ich mich von den ganzen Menschen, die ich hier kennengelernt habe, nicht verabschieden. Ich habe zwar leider erst letzten Monat ein paar Freunde in meinem Alter kennengelernt, aber vor allem zu einem großen Teil meiner Gastfamilie habe ich ein gutes Verhältnis.
Da ich nach dem Camp sehr viel reisen werde, ist das hier vermutlich mein letzter Post hier aus Panama. Wenn ich wieder in Deutschland bin, werde ich aber mit Sicherheit noch einen abschließenden Post schreiben, bis dahin wird es allerdings noch einen Moment dauern.
Auflösung der Frucht vom letzten Mal:
Diese Frucht hat bestimmt jeder schon einmal in irgendeiner Form gegessen, es ist nämlich eine Maracuya! Zurzeit scheint hier Erntezeit zu sein und so habe ich einmal einfach welche mitgebracht, um sie probieren zu können. Das Innere besteht aus Fruchtfleisch und vielen kleinen Samen und die Frucht schmeckt leicht säuerlich, aber sehr lecker! Meine Gastmutter hat natürlich (wie mit allen Früchten normalerweise) einen Fruchtsaft daraus gemacht, der auch sehr lecker geschmeckt hat.
Sonntag, 17. Juni 2018
Donnerstag, 7. Juni 2018
Día Nacional de la Reforestación
Lang ist es her, seit ich das letzte Mal etwas geschrieben habe, aber meine letzten Wochen
waren auch nicht sehr spannend, inzwischen hat sich bei mir der nicht sonderlich spannende
Alltag eingespielt.
Am Samstag war
allerdings der nationale Tag der Wiederaufforstung, weshalb AFS Freiwillige und Austauschschüler vom Umweltministerium hier in Penonomé zu einer großen
Aufforstungs-Aktion eingeladen wurden. Das durfte ich mir natürlich nicht
entgehen lassen. Früh morgens trafen wir uns in Penonomé, um zusammen zum
Treffpunkt zu fahren. Dort angekommen begrüßten uns schon viele andere Freiwillige. Sowohl Panameños als auch Ausländer verschiedenster Organisationen
waren gekommen, um auf dem großen grünen Feld, das sich vor uns erstreckte, ein
paar Bäume zu pflanzen. Zunächst gab es eine kurze Begrüßung der Veranstalter
und es wurde sogar ein wenig gesungen und gebetet, bevor uns erklärt wurde, wie
die Bäume eingepflanzt werden sollten. Die Wurzeln der Setzlinge waren nicht in
Plastiktüten, sondern in Zeitungspapier gewickelt, sodass sie genau so in die
Erde konnten. Da es sogar schon Löcher gab und wir ziemlich viele Teilnehmer
waren, dauerte es nur etwa eine halbe Stunde, bis in jedem Loch ein kleiner
Baum stand. Ziemlich viel Aufwand für so eine schnelle Aktion, aber es war auch
ziemlich heiß und deshalb gar nicht so schlimm, dass wir so schnell fertig
waren. Zum Schluss gab es noch einen Snack und wir standen noch eine Weile
zusammen, bevor es wieder nach Penonomé ging. Ich hoffe, von den Bäumen, die
wir gepflanzt haben, überleben die meisten, einige sahen schon etwas wackelig
aus und bei dem heftigen Regen, der uns hier fast täglich erwartet, fallen
bestimmt auch ein paar um.
Wir waren nicht die
einzigen, die Samstag Bäume gepflanzt haben, in ganz Panama wurde an
verschiedenen Orten ein Beitrag zur Wiederaufforstung geleistet. Mein Eindruck
ist, dass vielen Menschen hier die Problematik der Abholzung von Wäldern
bewusst ist und die Regierung durchaus etwas dagegen tut. Ob allerdings genug
getan wird, kann ich nicht einschätzen.
Auflösung der Frucht vom letzten Mal:
Diese Frucht heißt Rambutan und ist mit der Litschi verwandt, weshalb sie auch beharrte oder falsche Litschi genannt wird. Im Spanischen heißt sie Mamón chino. Die haarige, weiche Schale der Mamón chino wird nicht gegessen. Hier in Panama öffnet man die Schale einfach mit den Zähnen und lutscht dann das weiße Fruchtfleisch vom Kern (so habe ich es zumindest gelernt). Schmeckt auch echt lecker und gab es vor allem in den ersten Wochen nach meiner Ankunft!
Exotische Früchte #5: Was könnte das für eine Frucht sein?
Montag, 14. Mai 2018
Abschied Hogar de Niñas und meine ersten Tage in Casa Hogar
Letzte Woche Montag war mein letzter Tag im Hogar de Niñas, da
die Freiwillige, mit der ich dort gearbeitet habe, und ich für die letzten
Monate in einem anderen Projekt, Casa Hogar, arbeiten müssen. Zum Abschied
haben wir noch eine kleine Überraschung vorbereitet: jedes Kind sollte mit
Farbe einen Handabdruck auf eine große Leinwand machen. So hatten wie am Ende
des Tages ein buntes Bild, das hoffentlich auch aufgehangen wurde. Viele Kinder
waren traurig darüber, dass wir gingen, und ich glaube, sie haben sich über das
Geschenk gefreut. Wir waren schon eine Hilfe für sie, und ohne uns wird es für
sie bestimmt schwieriger, ihre Hausaufgaben in Englisch, Französisch, Mathe,
Kunst und vielen anderen Fächern zu machen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass
viele durch uns bessere Noten bekommen haben. Gerade in den letzten Monaten seit
Ende der Sommerferien lief es auf der Arbeit sehr gut und die anfängliche
Schüchternheit der Kinder war weg. Mit vielen Kindern, die sich am Anfang nie
zu mir getraut haben, habe ich regelmäßig gearbeitet. Dadurch habe ich sie
nochmal viel besser kennengelernt und ihr Vertrauen in mein teilweise sehr
geringes Wissen sehr zu schätzen gelernt. Es hat mir immer sehr viel Spaß
gemacht, ihnen Dinge zu erklären und ich hoffe, ich konnte sie etwas für die
Themen begeistern und motivieren. Auch ich werde die Mädchen mit Sicherheit
vermissen, und bin irgendwie glücklich, dass wir so ein positiver Einfluss auf
ihre Schulzeit waren.
Seit Dienstag arbeite
ich also bei Casa Hogar. Auch Casa Hogar ist ein Kinderheim, aber es ähnelt
viel mehr dem klassischen Kinderheim, das wir in Deutschland kennen: Kinder
aller Altersklassen wohnen hier zusammen. Die Hintergründe, weshalb sie nicht
mehr bei ihren Familien leben, sind aber häufig erschreckend, viele haben
Erfahrungen mit Missbrauch und Gewalt gemacht, bevor sie zu Casa Hogar gekommen
sind. Andere sind von der Familie abgelehnt worden. Zudem ist es nicht
unüblich, dass ein junges Mädchen, zum Teil schon mit 13 oder 14 Jahren,
schwanger ist oder grade ein Kind bekommen hat und deshalb in Casa Hogar lebt.
Einige haben psychische Störungen oder Behinderungen, und alle wirken schon
viel älter als sie eigentlich sind, vor allem die Jugendlichen. Trotz ihrer
Erfahrungen sind die Kinder aber positiv und wirken glücklich. Da wir noch
nicht lange in dem Projekt sind, müssen wir uns erstmal noch etwas einarbeiten
und herausfinden, wo wir gebraucht werden. Nicht alle gehen zur Schule, aber
denen, die Hausaufgaben haben, helfen wir bei ihren Aufgaben. Es gibt auch
einige, die nur für die Klausuren zur Schule gehen und deswegen Module
bearbeiten müssen, die sie dann einreichen, um zum Test zugelassen zu werden
(glaube ich). Auch dabei können wir natürlich helfen. Mit den Jüngeren spielen
wir auch viel. Wenn auch einige Kinder noch etwas schüchtern sind, sind alle
sehr interessiert und freuen sich über unsere Hilfe. Ein weiterer Unterschied
zum vorherigen Projekt ist, dass Casa Hogar die letzten Jahre immer Freiwillige
hatte, und so ist es für alle nicht mehr so neu, zwei Deutsche da zu haben,
wodurch natürlich bestimmte Erwartungen an uns gestellt werden. Andererseits
weiß aber auch jeder, wo wir mehr helfen können und wie sie am besten von uns
profitieren. Ich bin gespannt, wie sich unsere Arbeit noch entwickelt. Es ist
auf jeden Fall interessant, nochmal ein anderes Projekt kennenzulernen, auch
wenn es nur für kurze Zeit ist.
Wir sind jetzt auch wieder voll in der Regenzeit! Es regnet schon wieder fast jeden Tag und auch ziemlich heftig. Letzte Woche hat es sogar zweimal gewittert und der Strom ist ausgefallen, aber ich hoffe, das passiert jetzt nicht regelmäßig.
Auflösung der Frucht von letzter Woche:
Die Frucht heißt Guave. Oder auch Guaba im Spanischen. Hier gibt es viele Früchte, die mit "Gua" anfangen, und irgendwie werden die alle im Sommer gegessen, was das ganze für mich noch verwirrender macht.
Exotische Früchte #4: Wer kennt diese Frucht?
Mittwoch, 2. Mai 2018
Ausflug nach Panama-Stadt
Letzter Freitag war ein
besonderer Tag für die Kinder auf meiner Arbeit: zusammen mit einigen Kollegen
und mir ging es nach Panama-Stadt! Für viele war es ihr erster Besuch der
Hauptstadt, und so war die Begeisterung natürlich groß.

Danach ging es endlich zum Kanal! Ich bin ja bei meinen ganzen Besuchen
der Hauptstadt bisher noch nicht dazu gekommen, zur Miraflores
Schleuse zu gehen und habe mich sehr gefreut, dass sie auf dem Programm
stand.
Nach einem kurzem Besuch des Museums und einem Film zur Geschichte des
Kanals
setzen wir uns bei einem Aussichtspunkt hin und warteten auf die
Schiffe, die
ab 15 Uhr nachmittags die Schleuse passieren.
Als der Moment endlich gekommen
war, verfolgten wir alle gespannt, wie ein großes Schiff in die schmale
Passage
fuhr und dann nach und nach das Wasser weniger wurde, bis schließlich
nur noch
der obere Teil des Schiffs zu sehen war. Das ging schneller, als ich
erwartet
hätte! Bis ausreichend Wasser abgelassen worden ist, dauert es in der
Regel etwa 8 Minuten.
Danach wurden die Schleusentore geöffnet und das Schiff setzte seinen
Weg
Richtung Pazifik fort. Das zweite Schiff, dass durch die Schleuse fuhr,
war sogar noch größer! Vormittags sieht man die Schiffe, die vom
Pazifik kommen
und auf dem Weg zum Atlantik die Schleuse durchqueren. Da der Gatun See,
der
durchquert werden muss, um an die andere Küste Panamas zu gelangen, über
dem
Meeresspiegel liegt, müssen die Schiffe auf diese Höhe gebracht werden
und
später eben wieder auf Meereshöhe zurückkommen. Unser letzter
Programmpunkt war
die Albrook Mall, wo wir etwas Zeit zum Shoppen hatten und Abendessen
aßen.
Müde machten wir uns dann wieder auf den Weg nach Penonomé. Wobei
eigentlich nur ich müde war, die Kinder waren hellwach und sangen laut
zu den Liedern
mit, die im Bus liefen.
Es war auf jeden Fall
ein schöner Ausflug und alle hatten viel Spaß. Da ich am 8. Mai das Projekt
wechseln muss (das wurde Anfang des Jahres so vereinbart), war es für mich auch
ein kleiner Abschied, da jetzt nur noch wenige Tage fehlen, bevor ich in
das neue Projekt gehe.
Auflösung der Frucht von letzter Woche:
Der Name der Frucht ist Guama, oder auch Guaba, wie sie hier eigentlich nur genannt wird (ich habe Ewigkeiten nach ihr gesucht, bis ich herausgefunden habe, dass sie meistens Guama genannt wird). Auch sie wird jetzt im Sommer geerntet. Die Guama ist eine sehr interessante Frucht. Länglich und von außen sehr hart, ist es schon eine Kunst, sie aufzubekommen! Zunächst wird sie dafür mithilfe eines Stuhls oder ähnlichem in der Hälfte geteilt und dann versucht man, die obere Seite hochzuklappen, um an die Kerne zu kommen, die mit einem süßen, weißen Fruchtfleisch umgeben sind. Das wird dann gegessen. Ziemlich viel Aufwand, aber es lohnt sich!
Da wir möglichst viel
Zeit in der Stadt verbringen wollten, wartete ich schon morgens um 6 Uhr am
Treffpunkt, wo mich einer der beiden Busse mit den Kindern abholen würde. Im
Bus herrschte eine gute Stimmung und alle freuten sich auf den Tag. Als wir
dann gegen 9 Uhr bei der Fuente Amador ausstiegen, strahlte uns die Sonne an
und es war schon jetzt unglaublich heiß! Wir machten ein paar Fotos von der
schönen Aussicht auf das Meer und die Skyline Panamas im Hintergrund, und genug
Zeit, um die dort zur Verfügung stehenden Fitnessgeräte auszuprobieren, hatten wir auch. Danach ging es auch
schon weiter nach Casco Viejo, der Altstadt, durch die wir größtenteils mit dem
Bus fuhren. Ein bisschen gingen wir aber auch zu Fuß durch die Straßen und an
den Kirchen und alten Ruinen vorbei. Anschließend war auch schon Zeit für das
Mittagessen. Das Einfachste bei so einer großen Gruppe (etwa 50 Personen mit
den Kollegen) ist natürlich, Essen für alle mitzunehmen, und so aßen wir unseren
Reis mit Hühnchen an der Cinta Costera in der Nähe der Altstadt mit Aussicht
auf das Meer.
Auflösung der Frucht von letzter Woche:
Der Name der Frucht ist Guama, oder auch Guaba, wie sie hier eigentlich nur genannt wird (ich habe Ewigkeiten nach ihr gesucht, bis ich herausgefunden habe, dass sie meistens Guama genannt wird). Auch sie wird jetzt im Sommer geerntet. Die Guama ist eine sehr interessante Frucht. Länglich und von außen sehr hart, ist es schon eine Kunst, sie aufzubekommen! Zunächst wird sie dafür mithilfe eines Stuhls oder ähnlichem in der Hälfte geteilt und dann versucht man, die obere Seite hochzuklappen, um an die Kerne zu kommen, die mit einem süßen, weißen Fruchtfleisch umgeben sind. Das wird dann gegessen. Ziemlich viel Aufwand, aber es lohnt sich!
Exotische Früchte #3: Wie heißt diese Frucht?
Samstag, 28. April 2018
Ernährung in Panama
Ein ziemlich zentrales Thema jeder Kultur ist, auch
da es so ein essentielles Thema für den Menschen ist, das Essen. Und das unterscheidet
sich auf der ganzen Welt ziemlich, was zum einen vom unterschiedlichen
Klima und dem dementsprechend unterschiedlichen Anbau von Früchten und Gemüse,
aber auch von den unterschiedlichen Kulturen beeinflusst wird. So durfte ich
zu Beginn meines Jahres feststellen, dass Panameños sich recht anders ernähren
als Deutsche, und Essen eine ganz andere Bedeutung hat.
Die wohl wichtigste
Zutat einer Mahlzeit hier ist Reis. Meistens esse ich Reis hier zweimal am Tag, mittags und
abends. Sogar zu Nudeln darf er nicht fehlen! Ich finde aber, Reis schmeckt hier
auch besser als in Deutschland, wahrscheinlich ist es eine andere Sorte und er wird auch etwas anders zubereitet. Dazu gibt es für gewöhnlich Fleisch, häufig
Hühnchen, was hier sehr gerne gegessen wird. Viele, wie auch wir, haben sogar
ein paar Hühner zuhause, wodurch es immer Eier und manchmal eben auch nicht das
Hühnerfleisch vom Supermarkt, sondern aus dem eigenen Garten gibt. Zum Fleisch
kommt dann noch eine Beilage wie Salat, Kichererbsen, Bohnen oder Linsen dazu.
Hülsenfrüchte werden hier sehr viel konsumiert und sind auch die günstigste
Variante, da Gemüse wie Tomaten, Möhren, Paprika oder anderes recht teuer ist.
Das liegt, vermute ich, daran, dass sie in dem tropischen Klima nicht so gut wachsen und vor
allem in den höheren Gebieten im Westen des Landes angebaut werden. Ja, hier habe ich
Gemüse, das ich für Deutschland für selbstverständlich gehalten habe, sehr zu
schätzen gelernt und freue mich, wenn es zwei Scheiben Tomate zum Hühnchen gibt.
Was dafür
viel häufiger auf den Teller kommt, ist Wurzelgemüse wie Yamswurzel, Otoe
und Ñame. Sagt euch nichts? In Deutschland essen wir das auch einfach nicht (und ich kenne die Übersetzung für Otoe und Ñame nicht).
Obwohl ich Yamswurzel echt lecker finde, der Geschmack erinnert an
Esskastanien. Verschiedenes Wurzelgemüse wird meist als Zutat zu Suppen verwendet. Eine
bestimmte Suppe, Sancocho, ist sogar ein Nationalgericht Panamas! Unter Suppe
versteht man hier Brühe mit Fleisch und eben Wurzelgemüse. Als Beilage gibt
es - wie sollte es auch anders sein - Reis. Eine weitere Suppenart ist Guacho, wo im Prinzip einfach
der Reis mit in die Suppe kommt, sodass die Suppe mehr an eine Art Brei
erinnert. Ich frage mich ehrlich gesagt, warum die hier so gerne Suppe essen
bei dem heißen Wetter, aber das wird mir wohl immer ein Rätsel bleiben. Neben Sancocho ist aber auch Arroz con Pollo ein Nationalgericht. Arroz con Pollo (übersetzt: Reis mit Hühnchen) ist ein gelber Reis, in den Hühnchen, Möhre, und Sellerie gemischt wird. Natürlich gibt es viele Varianten des Rezepts und jede Familie hat seine eigene Zubereitungsweise. Zum Reis gibt es häufig noch Kartoffelsalat. Der wird manchmal auch mit Roter Beete zubereitet.
| Bollo mit Ei |
Durch das Klima gibt es
hier aber auch unglaublich viele Früchte. Die Bananen, Ananas, Orangen, Mangos
und alle möglichen anderen Früchte werde ich bestimmt in Deutschland vermissen!
Der Geschmack ist hier einfach viel besser und intensiver. Leider werden in
meiner Familie recht wenig Früchte gegessen. Wenn es welche
zuhause gibt, werden die meistens zu Saft oder einem Milchgetränk verarbeitet.
Was mich zu einem weiteren Thema führt: die Getränke. Hier werden nämlich
häufig natürliche Fruchtsäfte getrunken, die aus gepressten Früchten, Wasser,
und meistens auch Zucker hergestellt werden. Das ist sehr lecker! Teilweise
wird aber auch einfach ein süßes, buntes Pulver in Wasser geschüttet, was dem
Wasser einen künstlich süßen Geschmack gibt und es knallrot oder orange färbt. Warum das hier so beliebt ist, weiß ich auch nicht so genau. Ein traditionelles Getränk ist
außerdem Chicheme: bei den genauen Zutaten bin ich mir nicht ganz sicher, aber
es ist auf jeden Fall eine Mischung aus Milch mit Zucker, Zimt und Reis, der
sich am Boden sammelt.
Interessanterweise habe
ich auch festgestellt, dass, bis auf die süßen Getränke, in den meisten
Familien fast kein Zucker konsumiert wird! Schokolade schmilzt hier zwar, aber
auch Kekse, Eis oder ähnliches findet man nie zuhause. Außer wenn jemand
Geburtstag hat, dann gibt es meistens einen Kuchen mit unglaublich süßer,
künstlich schmeckender Creme als Topping. Trotz des Verzichts auf Zucker ist
das Essen aber nicht unbedingt gesünder, da hier viel frittiert wird. Hinzu
kommt der hohe Fleischkonsum.
Vieles ist auch
einfach teurer hier, neben Gemüse haben zudem Milchprodute einen hohen Preis. Joghurt kauft meine Familie nie! Auch Käse istziemlich teuer und dabei
vom Geschmack her echt nicht so gut wie der in Deutschland.
Meine Ernährung hier ist also schon ziemlich anders, und ich esse hier viel weniger Gemüse, Joghurt und Müsli, dafür aber ziemlich viel Reis, Fleisch und Hülsenfrüchte. Außerdem wird hier, meiner Meinung nach, weniger Wert auf Ernährung gelegt und mehr darauf, dass das Essen füllt. Der Reis ist der Treibstoff, damit der Motor weiterläuft. Natürlich ist das die Hauptfunktion von Essen, aber welche gesundheitlichen Auswirkungen verschiedene Lebensmittel und ihre Qualität auf den Menschen haben, rückt erst langsam in das Interesse der Menschen hier.
Auflösung der Frucht von letzter Woche:
Der Name der Frucht ist Cashewfrucht! Oder auch Marañon auf Spanisch. Ich habe ehrlich gesagt gerade erst nach der Übersetzung geguckt und war selbst überrascht, dass es sich um Cashew handelt. Auch wenn mir meine Gastmutter erklärt hatte, dass die Nuss auf der Frucht essbar ist. Erntezeit ist zwischen Februar und Mai.
Exotische Früchte #2: Was ist das für eine Frucht?
Donnerstag, 19. April 2018
Santa Catalina & Isla Coiba
Manchmal habe ich das Gefühl, dieser Blog besteht
hauptsächlich aus meinen Urlaubsberichten. Ja, ich habe schon viel Zeit zum Reisen. Also kommt hier ein weiterer Urlaubsbericht. Diesmal ging es für mich
und eine Freiwillige aus Panama-Stadt nach Santa Catalina, ein beliebter
Surferstrand hier in Panama.
Da die Fahrt nach Santa
Catalina sehr lang ist, nahm ich mir donnerstags schon etwas früher frei, und
mittags nahmen wir den Bus. Nach insgesamt vier Stunden Fahrt und zweimal Umsteigen standen wir dann vor unserem Hostel. Santa Catalina ist ein kleines
Dorf direkt am Strand, das etwas abgelegen von größeren Städten liegt. Unser
Hauptgrund, weshalb wir uns für diese Reise entschieden hatten, war Isla Coiba,
eine Insel in der Nähe von Santa Catalina, die, abgesehen von einem Haus vom
Umweltministerium, völlig unberührt von Menschen ist. Sie wird auch als das
Galapagos von Panama bezeichnet, und das nicht ohne Grund, wie wir gleich am
nächsten Tag feststellen konnten. Uns wurde nämlich direkt im Hostel eine
Schnorcheltour in Isla Coiba angeboten, die wir natürlich sofort zusagten.
Und
so ging es freitags dann früh los, und um 8 Uhr trafen wir uns mit der Gruppe
von etwa 10 Personen am Treffpunkt. Nachdem jeder ein Paar Flossen bekommen
hatte, liefen wir zum Strand. Von dort aus ging es in einem Boot zu der Insel.
Auf etwa halben Weg rief auf einmal jemand „Delfin!" und bald waren alle am
staunen, als die Tiere vor unserem Boot aus dem Wasser sprangen. Wir beobachteten sie noch eine Weile bevor wir weiterfuhren. Das war echt schön. Bevor wir
ankamen, konnten wir sogar noch ein zweites Mal eine Gruppe aus Delfinen
beobachten. Das war schon einmal ein guter Start. Um Isla Coiba herum gibt es
viele andere, kleine Inseln, und an einer dieser Inseln machten wir unseren
ersten Stopp. Weißer Strand, Palmen und klares Wasser. Schon so war der Ort
einfach beeindruckend und genau das, was man sich unter einsamer Insel vorstellt. Unter Wasser gab es aber wunderschöne Korallen, bunte
Fische, Schildkröten und sogar kleine Haie zu beobachten! Bis auf letztere habe
ich auch alles gesehen, und das, obwohl ich vorher noch nie Schnorcheln war und
grade beim ersten Stopp anfangs noch ein paar Schwierigkeiten hatte. Danach
ging es direkt weiter zu einer anderen, genauso schönen Insel, wo wir unten am
Meeresgrund einige Rochen sahen! Auch hier habe ich die Haie verpasst, aber
immerhin die Schildkröten habe ich wieder gesehen. Als nächstes machten wir
eine Mittagspause an einem anderen Strand, der wieder wirklich schön war. Dort
genossen wir ein wenig die Aussicht und entspannten im Meer oder am Strand. Und
zum Schluss gingen wir an einem letzten Ort schnorcheln, bevor es wieder zurück
ging. Die vielen Schildkröten und Fische, die ich an dem Tag gesehen habe,
waren echt beeindruckend, und man hat gemerkt, dass auf Isla Coiba noch nicht
viele Touristen das Land und Wasser erkunden. Auch wenn Santa Catalina schon
lange als Surferstrand bekannt ist, ist die Insel noch ein Geheimtipp, da sie
erst vor kurzem für den Tourismus geöffnet wurde.
Am nächsten Tag hatte
ich dann die erste Surfstunde meines Lebens. Als wir zunächst am Strand übten,
wie wir uns auf das Board stellen sollten, hatte ich noch ziemliche Zweifel,
dass ich das im Wasser schaffen würde. Aber letztendlich war es gar nicht so
schwierig! Ein bisschen Übung brauche ich trotzdem noch. Nachmittags gingen wir
noch etwas am Strand entlang, aßen Eis und entspannten einfach, was zu einem
richtigen Strandurlaub eben einfach dazugehört :) wir hatten außerdem, auch wenn es bewölkt
gewesen war, vom Schnorcheln ziemlichen Sonnenbrand auf dem Rücken und
verbrachten deshalb mehr Zeit im Schatten als auf den Surfboards.
Sonntags ging es dann
schon recht früh wieder nach Hause. Als Urlaubsort kann ich Santa Catalina auf
jeden Fall empfehlen, zumindest, wenn man auf der Suche nach Strand, Surfen,
Schnorcheln und Tauchen ist. Auch wenn ich noch nichts zum vergleichen habe,
wird das wohl einer der besten Orte in Panama für diese Aktivitäten sein!
Hier in Penonomé kehrt
langsam der Regen wieder zurück. Die Luft wird schwüler und es gab auch schon
einige Schauer. Ich habe den Sommer ziemlich genossen und hatte gehofft, dass
er noch etwas länger bleibt, vor allem, da er sehr viel später als sonst
angefangen hat! Aber daran lässt sich wohl nichts ändern.
Kleines Rätsel am Schluss: Wer kennt diese Frucht?
Die Auflösung gibt es nächste Woche.
Donnerstag, 12. April 2018
Ein Tag in meinem Leben
Wie sieht mein Leben hier in Panama eigentlich genau
aus? Nach fast 8 Monaten bin ich schon an den anderen Alltag gewöhnt und habe
neue Routinen entwickelt. Mein Leben hier unterscheidet sich sehr von dem in
Deutschland, was natürlich auch daran liegt, dass ich arbeite und nicht wie
vorher zur Schule gehe.
Mein Tag startet um kurz
nach 6 Uhr morgens, wenn mein Wecker klingelt. Meine Gastschwester liegt noch
im Bett, da sie Studentin ist und erst recht spät zur Uni muss, und so versuche
ich, mich möglichst leise im ersten Tageslicht fertig zu machen. Meistens mache
ich mir dann noch einen Zimttee, den wir immer da haben, und esse etwas Brot -
das natürlich nicht mit dem Brot in Deutschland zu vergleichen ist- , bevor ich
gegen 7 Uhr das Haus verlasse. Auch wenn ich den Bus nehmen könnte, gehe ich
eigentlich immer zu Fuß zur Arbeit, was für die meisten Panameños, glaube ich,
immer noch ein Rätsel ist. Da ich ca. 40 min laufe, ist mir am Ende, auch wenn
es morgens noch nicht so heiß ist, ziemlich warm, aber ein bisschen Bewegung
tut schon gut, bevor ich 8 Stunden lang bei der Arbeit sitze. Dort helfe ich
dann vormittags bis etwa 11 Uhr den Kindern bei ihren Hausaufgaben, hauptsächlich
in Englisch. Danach machen sie sich fertig für die Schule und ich habe eine
Pause. Um 12 Uhr gehe ich dann in der Kantine essen, typisch für Panama gibt es
jeden Tag eine Menge Reis, mit Fleisch und Salat, Linsen, Kichererbsen oder
anderes. Bis dann die andere Gruppe von Kindern kommen, die morgens Unterricht
hatten und deshalb nachmittags ihre Aufgaben machen, ist es meistens etwa
13:30 Uhr. Dieses Schuljahr sind das aber nur wenige, und so ist der Nachmittag
ziemlich ruhig und ich beantworte nur ein paar Fragen zu Französisch. Um 16 Uhr
mache ich mich dann auf den Weg nach Hause, wieder zu Fuß natürlich. Dort dusche ich erstmal und entspanne mich ein wenig, bevor ich so gegen 18 Uhr
joggen gehe. Das ist die perfekte Uhrzeit, da die Sonne um ca. 18:45 Uhr untergeht,
ich also noch im Hellen laufe, es aber nicht mehr so heiß ist. Vor den Ferien
bin ich nach der Arbeit immer ins Fitnessstudio gegangen, inzwischen habe ich
aber keine Lust mehr dazu und mich dazu entschieden, das Geld zu sparen und
einfach laufen zu gehen. Am Anfang hatte ich allerdings meine Zweifel, da ich
gehört hatte, dass Panameños bei Joggern noch aufdringlicher sind als sonst,
aber in meinem Wohngebiet hält sich das Gepfeife und Gehupe einigermaßen in
Grenzen und ist auf jeden Fall nicht schlimmer als sonst. Nach dem Laufen dusche ich ein weiteres Mal und esse Abendessen, was meistens aus noch mehr
Reis besteht. Ich hätte es echt nicht gedacht, aber hier wird so viel Reis
wie in Japan gegessen! Danach gucke ich noch ein bisschen Nachrichten mit
meinen Gasteltern, unterhalte mich mit irgendjemandem, der grade da ist, oder
lese ein wenig. Irgendwann geht es dann ins Bett. Manchmal treffe ich mich nach
der Arbeit auch mit anderen Freiwilligen und wir gehen ins Kino, Eis essen oder
unterhalten uns einfach auf einer Bank. Trotzdem ist mein Leben hier wohl
ziemlich ruhig und nicht sonderlich aufregend, vor allem verglichen zu dem, was
ich in Deutschland so gemacht habe :) Damit, so wenig zu tun zu haben, habe ich
schon manchmal meine Schwierigkeiten, aber inzwischen habe ich gelernt, mich
irgendwie beschäftigt zu halten. Ein bisschen zumindest. Und nach diesem Jahr
wird diese Ruhe wohl erstmal vorbei sein, da ich dann anfange, zu studieren und etwas mehr zu tun haben werde.
Am Sonntag haben wir
übrigens das Haus endlich fertiggebaut! Die Familie hat sich sehr gefreut und
wird hoffentlich bald einziehen!
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