Montag, 29. Januar 2018

El Valle de Antón und la Feria de la Naranja

Letzte Woche war doch mal etwas spannender, ich war nämlich ein paar Tage im Valle de Antón, dem größten bewohnten Vulkankrater der Welt, der etwa eineinhalb Stunden von Penonomé entfernt liegt.
Recht spontan buchte ich mit zwei anderen Freiwilligen Sonntagabend das Hostel und Montag ging es dann los zum Valle. Als wir aus dem Bus ausstiegen, merkten wir schon, dass die Luft etwas kühler und angenehmer war. Im Hostel wurden wir freundlich empfangen und herumgeführt, wir hatten uns für eins entschieden, bei dem man mit fast 30 Leuten in einem Raum schläft! Das waren ganz schön viele Dreier-Hochbetten :)
Schnell wurde uns bewusst, wie viele Deutsche doch in dem Hostel waren, noch mehr als sonst schon anzutreffen sind! Mit seinen vielen Wanderwegen scheint El Valle ziemlich attraktiv zu sein. Montag wanderten wir allerdings noch nicht, sondern gingen erstmal in ein Schmetterlingshaus, wo wir eine kurze Führung mit vielen Infos zu den verschiedenen Arten bekamen. Der Raum war wirklich voll mit vielen unterschiedlichen Schmetterlingen, die dicht an uns vorbeiflogen und auf einigen Besuchern auch landeten. Uns ist das leider nicht passiert, wir hatten die Vermutung, dass das daran lag, dass wir alle dunkle Kleidung trugen.
Trotzdem war es eine sehr schöne Erfahrung. In Panama gibt es super viele Schmetterlingsarten!
Für den nächsten Tag hatten wir uns dann vorgenommen, die "India dormida" zu besteigen, ein Berg, der die Form einer liegenden Frau hat. Zusammen mit einer anderen Deutschen, die wir am Morgen kennengelernt hatten, brachen wir auf, jedoch verliefen wir uns recht schnell. Zum Glück wusste in dem Dorf, das gefühlt nur aus Hotels, Hostels, Restaurants und Souvenirshops bestand, eigentlich jeder Bewohner, wie man dorthin kommt, und so fanden wir schnell wieder auf den richtigen Weg zurück. Nachdem wir den Eingang zu dem Wanderpfad dann gefunden hatten, ging es auf einem schmalen, steinigen und etwas matschigen Weg nach oben. Unterwegs konnten wir einige Wasserfälle bewundern und uns an einer Badestelle ein wenig erfrischen. Natürlich schafften wir es aber, obwohl der Weg auf der kleinen Karte, die wir am Eingang bekommen hatten, ziemlich einfach aussah, uns noch einmal zu verlaufen. Als wir irgendwann vor einem großen Feld standen und es nicht mehr weiterging, mussten wir wieder umkehren. Dann bogen wir aber richtig ab und es dauerte nicht mehr lange, bis wir auf dem Gipfel ankamen. Nach all den Umwegen wurden wir mit einer unglaublich schönen Aussicht auf das Tal belohnt. Es hat sich aber auf jeden Fall gelohnt, diese Wanderung zu machen, auch wenn wir ziemlich lange gebraucht haben.
Mittwochs ging es dann wieder nach Hause, vorher haben wir aber noch den Kunstmarkt besucht, wo viel traditionelles Handwerk verkauft wurde. Bei einem Stand hat sogar ein Künstler zwei Anhänger für eine Freundin zu einem ziemlich günstigem Preis selbst angefertigt.
Auf der Feria
Nach der Feria de las Flores in Boquete ging es dann dieses Wochenende noch auf die Feria de la Naranja, die hier in Penonomé stattfand. Feria de la Naranja bedeutet so etwas wie Orangenmesse, und dementsprechend viele Orangen gab es! Der ganze Platz war vollgestellt mit kleinen Holzhütten, an denen neben Orangen noch anderes hier angebautes Obst und Gemüse verkauft wurde und auf einer Bühne traten Gruppen mit traditionellen Tänzen auf. Die Feria war wesentlich kleiner als in Boquete, aber trotzdem sehr schön, und am Ende habe ich sogar eine Orange geschenkt bekommen (die Verkäuferin hat mich vorher etwas komisch angeschaut, als ich ihr sagte, ich wollte nur eine kaufen).
Diese Woche haben wir dann noch das Mid-Stay Camp, was bedeutet, dass ich schon fast ein halbes Jahr hier bin! Eigentlich sollte es morgen losgehen, doch heute Morgen haben wir dann die Nachricht bekommen, dass das Camp nicht in dem Hotel stattfinden kann, das gebucht wurde, da es teurer war als erwartet, und so musste noch auf die letzte Minute eine neue Unterkunft gefunden werden, was bei über 30 Personen natürlich nicht gerade einfach ist. Jetzt findet das Camp von Mittwoch bis Freitag statt. Danach geht es für mich direkt weiter nach Boquete, wo ich mit ein paar anderen Freiwilligen den Vulkan Barú besteigen werde! Das war schon von Anfang an die Sache, die ich unbedingt während meiner Zeit in Panama machen wollte und ich freue mich schon total darauf :D

Sonntag, 21. Januar 2018

Familie in Panama

Es ist schon eine Weile her seit ich das letzte Mal einen neuen Blogpost geschrieben habe. Der Grund dafür ist nicht etwa, dass mir die Zeit dazu gefehlt hat, sondern, dass wir die letzten zwei Wochen kein W-Lan hatten. Ehrlich gesagt hatte ich die Befürchtung, dass ich das restliche Jahr ohne W-Lan auskommen müsste, da wir immer das W-Lan der Nachbarn heimlich mitbenutzt hatten, und die das vor zwei Wochen ausgetauscht haben, wodurch wir uns nicht mehr einloggen konnten, da wir das neue Passwort nicht kannten. Freitag kam dann aber mein kleiner Gastneffe mit dem Passwort, und jetzt ist alles wieder beim Alten. Natürlich weiß ich nicht, ob das so bleiben wird, da unsere Nachbarn ganz offensichtlich nicht wollen, dass wir das W-Lan auch benutzen, aber das wird sich wohl noch herausstellen.
Jetzt zum eigentlichen Thema dieses Blogposts: Heute wollte ich etwas über Familie in Panama schreiben. Diesen Post hätte ich schon viel früher schreiben können, allerdings wollte ich erst genug Zeit hier verbracht haben, um die Kultur ein wenig kennenzulernen und nicht irgendetwas falsch zu interpretieren oder einzuschätzen. Trotzdem basiert alles auf meinen persönlichen Erfahrungen und kann nicht einfach verallgemeinert werden.
Meine Familie hier in Panama ist ziemlich groß und hat einen hohen Stellenwert für die meisten. Ich habe das Gefühl, dass ein sehr starker Zusammenhalt innerhalb der Familie herrscht und sich alle aufeinander verlassen. Da wir auch sehr nah beieinander leben, eine Tante links neben uns, ein Onkel rechts, ein Bruder gegenüber und viele andere Tanten, Onkel, Cousins und Kinder ein paar Straßen weiter, wird vieles geteilt. Wir waschen zum Beispiel mit der Waschmaschine meiner Tante, zum Kochen werden Geräte, Töpfe und Zutaten geteilt, wenn es mal nichts zu Essen gibt, hat eine Tante oder meine Schwägerin immer etwas da, und meine Gastmutter ist für die Näharbeiten zuständig. So läuft das nicht in jeder Familie, auch wenn ich schon oft gehört habe, dass der Kontakt zu Cousins und Cousinen in anderen Familien auch sehr eng ist, ist es, glaube ich, nicht selbstverständlich, dass alle Verwandten so nah beieinander leben. Das erleichtert die Kommunikation und außerdem ist immer jemand da, der auf die Kinder aufpasst, wenn deren Eltern arbeiten. In meiner Familie selbst habe ich zudem das Gefühl, dass jeder bestimmte Aufgaben hat, und es auch bestimmte Männer- und Frauenrollen gibt. Da meine Gastmutter neben meiner Gastschwester nur Söhne hat, ist das nicht immer leicht für meine Schwester. Für mich ist es außerdem neu, dass ich etwas jünger als meine Gastgeschwister bin. Dadurch, dass alle schon erwachsen sind, geht jeder seinem eigenen Leben nach, auch wenn bis auf ein Gastbruder, der mit seiner Frau und seinen Kindern gegenüber lebt, alle noch bei meinen Gasteltern wohnen.
Ein See in der Nähe von Penonomé
Auf der Feria de las Flores
Familienzeit, wie ich sie in Deutschland kenne, gibt es deshalb nur wenig,wir essen eigentlich nie zusammen, und auch gemeinsame Film-, Fernseh- oder Spielabende gibt es nicht. Allerdings ist eben der Kontakt zu den anderen Verwandten wesentlich enger, da man sich täglich sieht und auch diejenigen, die eine Straße weiter leben, regelmäßig vorbeikommen. Es wird sich viel unterhalten und über alles mögliche ausgetauscht. Die Aktivitäten mit meiner Familie halten sich sonst eher in Grenzen, meine Gasteltern sind in ihrer Freizeit viel auf der Finca, wo sie Obst und Gemüse anbauen, manchmal bin ich auch mit meiner Gastschwester und ihrem Freund unterwegs oder begleite eine meiner Tanten in die Kirche oder in den Supermarkt. Zurzeit sind ja Sommerferien, weshalb wir jetzt auch schon ein paar Wochenendausflüge gemacht haben, wir waren in Panama-Stadt, Santa Fé und gestern in Boquete auf der Feria de las Flores, einer Art Blumenschau mit vielen Verkaufsständen, wo neben Blumen auch viel traditionelles Handwerk verkauft wurde.
Mein Leben ist zurzeit sonst ziemlich ruhig, ich verbringe viel Zeit mit den anderen Freiwilligen, die auch frei haben, und hoffe, dass wir auch noch etwas reisen werden.

Dienstag, 2. Januar 2018

Weihnachten und Neujahr


Mein Weihnachten hier in Panama war eigentlich ziemlich unspektakulär, aber ich werde hier trotzdem kurz davon berichten, was ich so gemacht habe.
Der 24. Dezember war tagsüber eigentlich nur von letzten Vorbereitungen geprägt, es wurde Essen gemacht, meine Gastschwester strich das Badezimmer und mein Gastvater kümmerte sich um ein kleines Ameisenproblem auf unserem Esstisch und in der Küche, bevor er arbeiten musste. Ich verbrachte den Tag damit, Plätzchen zu backen. Eigentlich wollte ich die schon an einem anderen Tag gemacht haben, allerdings wollte meine Gastmutter lieber, dass ich sie erst kurz vor Heiligabend mache, damit wir sie dann essen können. Hier gibt es nämlich auch besonderes Essen zu Weihnachten, während man bei uns in Deutschland aber so etwas wie Plätzchen, Lebkuchen oder Marzipan in der gesamten Adventszeit isst, wird das Essen hier nur am 24.12. und 25.12. gegessen. Abends gab es dann also Arroz con Guandú mit Jamón, ein typisches Weihnachtsgericht. Nach dem Abendessen hieß es dann Warten. Wir warteten darauf, dass Mitternacht wurde, und unterhielten uns mit Nachbarn und Familie. Es kamen auch ein paar Leute zu Besuch, um Geschenke für die Kinder abzuholen und Romponche mit uns zu trinken, ein Getränk, das hauptsächlich aus Milch, Eiern und Zucker besteht, Alkohol kann auch noch hinzugefügt werden. Um 12 Uhr nachts wünschten wir uns dann alle frohe Weihnachten und viele fuhren danach feiern oder die Familie besuchen. Meine Gastmutter, mein Gastbruder und ich blieben zuhause und gingen kurz danach schlafen. Am 25. Dezember hatte auch noch jeder frei. An dem Tag ist aber nichts Besonderes passiert, ich bin mit meiner Gastfamilie zuhause geblieben. Zum Frühstück gab es Rosco navide ño, also eine Art Weihnachtskranz, das eigentlich ganz normales süßes Brot war. Im Fernsehen liefen den ganzen Tag über Weihnachtsfilme und die Kinder spielten mit ihrem neuen Spielzeug. Hier ist es üblich, nur den Kindern etwas zu Weihnachten zu schenken, Erwachsene bekommen eher selten etwas. Ich habe aber auch ein Geschenk bekommen, einen Schlafanzug. Ich kenne noch ein paar andere Leute, die auch Pyjamas bekommen haben, scheint also nicht ganz ungewöhnlich zu sein hier :)

Guandú
Silvester habe ich auch mit meiner Familie verbracht. Abends gab es ein großes Essen mit der ganzen Familie. Das Silvesteressen sieht hier ähnlich aus wie das Weihnachtsessen, traditionell wird Arroz con Guandú mit Jamón und Kartoffelsalat gegessen. Tagsüber habe ich dafür extra mit meiner Gastmutter die selbst angebauten Guandú, eine Art Erbsen, aus den Schoten geholt. Eine Tamal darf natürlich auch nicht fehlen, das ist ein aus Maisteig hergestelltes Gericht, das mit Hühnchen, Oliven und Rosinen gefüllt ist. Meine Familie bereitet diese regelmäßig zu, um sie zu verkaufen, daher durfte ich das jetzt schon ein paar Mal essen. Abends hatten wir auch eine Art Gottesdienst, der aber im Haus meiner Gasttante und nur mit der Familie stattfand.

Das Neujahrsessen
Gegen 21 Uhr brach ich deswegen mit einer anderen Gasttante auf, um dort hinzugehen. Alle waren festlich gekleidet und es waren viele Stühle aufgestellt worden. Als alle da waren, begannen wir mit dem Gottesdienst. Zwei meiner Tanten trugen Verse aus der Bibel vor und jemand sang ein kirchliches Lied. Daraufhin war Zeit für die „Testimonios“, bei denen wir die Gelegenheit hatten, über unser 2017 zu berichten und Gott dafür zu danken. Einige erzählten, was sie so bewegt hat, und es waren mal längere und mal kürzere Vorträge. Danach wurde noch mehr gesungen und aus der Bibel vorgelesen. Etwa um 23 Uhr kam dann der Höhepunkt des Abends, und der Pfarrer begann zu predigen. Wir begrüßten das neue Jahr mit Gesang, während der Pfarrer jeden Einzelnen segnete. Dabei war er sehr emotional und schrie die Segnungen fast. Hinterher umarmten wir uns alle und wünschten uns ein schönes neues Jahr. Einige weinten und es war eine recht ernste, feierliche Stimmung. Auch wenn ich nicht verstanden habe, warum Silvester ein Anlass zum Weinen ist, ich verbinde das eher mit neuen Anfängen und Freude, war es schön, in dieser Gruppe zu feiern und es gab ein sehr starkes Gemeinschaftsgefühl. Feuerwerk sah ich hier natürlich auch, und viele gingen auch aus zum Feiern.
Meine Woche war sonst nicht so spannend, ich war einen Tag am Strand in der Nähe und habe einen Ausflug zu einem Fluss gemacht, in dem man baden konnte, aber sonst ist es ziemlich ruhig hier. Am Wochenende mache ich wieder einen Ausflug mit meiner Gastfamilie, diesmal geht es nach Santa Fé, wo ich ja schon einmal ein paar Tage verbracht habe!
Ich hoffe, ihr hattet alle ein schönes Weihnachtsfest und wünsche noch ein frohes neues Jahr!