Mittwoch, 28. März 2018

Im Vivero von San Roquito

Schon wieder ist es etwas her, dass ich geschrieben habe! Ich muss zugeben, diesmal war es auch ein bisschen Faulheit.
Meine ersten Wochen auf der Arbeit nach den Ferien sind aber ganz gut verlaufen, alles ist noch so wie vorher hier. Inzwischen trauen sich aber wesentlich mehr Kinder, nach Hilfe zu fragen, und neben Englisch und Französisch helfe ich auch in allen anderen Fächern, vor allem Mathe und Spanisch. Zu sehen, wo die Kinder die meisten Schwierigkeiten haben, ist manchmal sehr überraschend und schockierend. Und meine verzweifelten Erklärungsversuche frustrierend, sowohl für die Kinder als auch für mich. Meine Hoffnung ist einfach immer, dass sie irgendwas hinterher besser verstehen oder gelernt haben, egal, wie wichtig oder unwichtig.
Der Vivero
Am Samstag war ich jetzt schon zum zweiten Mal in einem Vivero, also eine Baumschule, wo Baumsetzlinge gezüchtet werden, die dann während der Regenzeit zur Wiederaufforstung an unterschiedlichen Orten gepflanzt werden. Aber auch in der Trockenzeit gibt es eine Menge Arbeit, und ich hatte die Möglichkeit, dort mit einem Mitarbeiter von Mi Ambiente (eine staatliche Institution für die Umweltarbeit, mit der ich inzwischen über einen anderen Kontakt schon Bäume pflanzen und Schildkröten beim Schlüpfen helfen war) hinzufahren und auszuhelfen. Das erste mal habe ich mit einigen anderen freiwilligen Helfern aus den Dörfern der Umgebung Plastiksäcke mit Erde befüllt, in die die Setzlinge dann umgepflanzt werden sollen. Diese Woche Samstag konnten ich und zwei andere Freiwillige selbst bei der Repique (Umpflanzung) beteiligt sein. In einem Vivero gibt es für einen Baum nämlich unterschiedliche Stationen: zunächst werden die Samen alle in einen Behälter gepflanzt. Nach ein paar Wochen sind aus ihnen dann kleine Sprösslinge geworden, die in andere Behälter umgepflanzt werden, wo sie mehr Platz haben - unsere Arbeit am letzten Samstag. Später können sie dann in Plastiktüten umgesetzt werden, oder in dem Behälter bleiben. Nach drei bis vier Monaten sind sie dann bereit, gepflanzt zu werden. Jetzt in der Trockenzeit würden sie aber sofort vertrocknen, weshalb das in der Regnenzeit geschieht, wobei wir hoffentlich wieder helfen können. Die Arbeit im Vivero unterscheidet sich sehr von meiner Arbeit im Kinderheim unter der Woche, aber mir gefällt es sehr gut. Vielleicht leiste ich ja so einen kleinen Beitrag zur Wiederaufforstung der Wälder hier!
Nach der Arbeit hatte der Mitarbeiter von Mi Ambiente, Amed, die spontane Idee, zu einem Wasserfall in der Nähe zu fahren, da ich ihm erzählt hatte, dass wir da schon mal hinlaufen wollten, ihn aber nicht gefunden haben. Mit dem Auto war der Weg wesentlich schneller zurückgelegt als zu Fuß und als Panameño schien Amed auch keine Probleme damit zu haben, den versteckten Weg zum Wasserfall zu finden, an dem wir mit Sicherheit vorbeigelaufen wären. Am Ziel angekommen erwartete uns ein unglaublich schöner Wasserfall!
In der Kirche
Am Sonntag habe ich außerdem mit meiner Familie auf ihrem Grundstück etwas außerhalb von Penonomé, wo sie einiges anbauen, Palmsonntag gefeiert. Nicht nur jedes Familienmitglied hat dort nämlich ein Stück Erde, es ist auch eine Art Kirche dort. Die unterscheidet sich aber sehr von dem, was in Deutschland unter Kirche verstanden wird. Viele kleine Bäume bedecken einen Platz und spenden Schatten, überall sind kleine Gruppen von weißen Plastikstühlen und Tischen zu sehen, und es gibt eine provisorische Bühne, wo gepredigt und gesungen wird. Außerdem waren gestern noch ein paar Stände aufgebaut, wo Second-Hand Kleidung und Essen verkauft wurde. Neben meiner Familie waren auch noch einige andere gekommen. Nach dem Gottesdienst, der den ganzen Vormittag ging, haben wir noch gemeinsam gegessen und es gab ein kleines Fußballturnier, bei dem die Mannschaft meiner Familie gewonnen hat! Außerdem gab es einen Wettkampf, bei dem man ein Holzkreuz hochklettern und ein weißes Tuch, das oben war, holen sollte. Um das ganze zu erschweren, war das Kreuz mit roter, schmieriger Farbe bedeckt. In einem Team aus vier Männern, die alle aufeinander kletterten, gelang es aber schließlich, das Tuch zu erreichen. Nachmittags ging es dann wieder nach Hause. Bei der Gelegenheit konnte ich viele Familienmitglieder wiedersehen, was mich sehr gefreut hat! Die Traditionen zu Ostern werde ich hier sonst vermutlich nicht kennenlernen, da ich über die Feiertage mit der Organisation "Techo" Häuser für Menschen, die es sich nicht leisten können, bauen werde! Darauf freue ich mich auch schon sehr.

Samstag, 10. März 2018

Backpacking in Nicaragua

Der Karneval ist grade erst vorbei, da sitze ich Mittwoch, den 14. Februar, schon im Bus nach Panama Stadt. Nach einem Abendessen in der Mall beim Terminal machen vier andere Freiwillige und ich uns auf den Weg zum Wartebereich, wo wir auf den Nachtbus warten, der uns nach San José, der Hauptstadt Costa Ricas, bringen soll.
Gallo Pinto
Und dann ging es auch schon los. Morgens um 5 Uhr kamen wir an der Grenze an, wo wir eine Weile damit verbrachten, in Schlangen anzustehen, Stempel zu bekommen und das Gepäck kontrollieren zu lassen. Als wir dann in San José waren, war bereits Nachmittag und wir trafen eine weitere Freiwillige, mit der wir nach Nicaragua fahren wollten. Zunächst schauten wir uns aber etwas die Stadt an, schliefen eine Runde im Hostel, und dann ging es früh morgens im Bus weiter nach Nicaragua. Eine Grenzkontrolle und viele Stunden später kamen wir schließlich in Managua, der Hauptstadt, an. Von dort fuhren wir direkt weiter in den Norden, nach León, einer schönen, recht touristischen Stadt, die wir abends erreichten. Im Dunkeln suchten wir unsern Weg zum Hostel, und nach einem wirklich günstigen Streetfood, "gallo pinto", das Nationalgericht, ging es ins Bett. 
Vulkan Boarding
Am nächsten Tag fuhren wir zum Cerro Negro, einem der vielen Vulkane Nicaraguas. Mit Boards ausgestattet ging es nach oben, bei dem starken Wind war das gar nicht so einfach! Warum wir überhaupt Boards dabei hatten? Von oben konnten wir mit denen den schwarzen Vulkansand hinunterfahren. Das ist in León als Vulkan Boarding bekannt und sehr beliebt. Nicht ganz unbegründet, die Fahrt war echt lustig! Nachmittags streiften wir noch etwas durch die Stadt, die eine sehr schöne weiße Kathedrale hat. 
Am darauffolgenden Morgen ging es schon weiter, diesmal zurück in den Süden des Landes, in die Stadt San Juan del Sur, die direkt am Meer liegt. Dort dreht sich alles um Strand und Party. Natürlich probierten wir den berühmten Flor de Caña, ein Rum aus Nicaragua, verbrachten einen Tag am Strand und bestaunten den Sonnenuntergang von der zweitgrößte Jesus-Statue der Welt aus. 
Ometepe
Nach zwei Nächten zogen wir dann weiter, diesmal ging es auf die Ometepe Insel, die mitten im Nicaragua-See liegt. Die Insel besteht aus zwei Vulkanen, und neben der unglaublich schönen Landschaft hat mir besonders auch die Ruhe gefallen, die der kleine Ort, in dem wir übernachteten, ausstrahlte. Auch in Ometepe konnten wir einen wunderschönen Sonnenuntergang sehen, außerdem ging es auf Kayaks durch den Fluss in der Mitte der Insel (ein Fluss in einem See? Ja, das ist möglich!). Ein Besuch der bekannten Thermalquellen durfte auch nicht fehlen. 
Leider war die Lava sehr schlecht zu fotografieren
Zwei Nächte später befanden wir uns dann schon auf dem Weg nach Granada, unserem letzten Reiseziel. Granada ist eine weiter hübsche Stadt direkt beim Nicaragua-See. Von dort ging es direkt zum Masaya Vulkan, der aktivste Vulkan in ganz Nicaragua. Er liegt in einem Nationalpark und darf nur von ca. 10 Autos gleichzeitig befahren werden. Mit einem Shuttle ging es für uns hoch, wir sahen uns noch kurz das Museum an und gegen 19:40 Uhr waren wir schließlich oben. In der Nacht war die Lava, die unten im Krater floss, gut zu erkennen, und das Leuchten war so intensiv, dass sogar der aufsteigende Qualm rot verfärbt wurde. Diesen Anblick werde ich wohl nie vergessen! Da der Qualm allerdings giftig ist, konnten wir dort nur 15 Minuten verbringen, bevor es wieder zurück ging. Am nächsten Tag fuhren wir dann auf den Markt in Masaya, wo wir noch ein paar Souvenirs kauften. Da Nicaragua ziemlich günstig ist, besonders auch im Gegensatz zu Panama, wurde ich von meiner Familie damit beauftragt, Hängematten und eine Tasche zu kaufen, was ich dort tat. Anschließend machten wir noch einen Abstecher zum Laguna De Apoyo, ein weiterer See. Unseren letzten Tag in Nicaragua verbrachten wir dann ganz entspannt mit Shoppen, hatten noch ein schönes Abendessen, und am 25. Februar saßen wir schon im Bus nach Costa Rica. Der nächste Tag war ein weiterer Tag im Bus, verzögert durch eine Demonstration auf der Straße, weshalb wir drei Stunden warten mussten, bis diese vorbei war. Um 2:30 Uhr war ich dann aber auch zuhause.
In den knapp zwei Wochen meiner Reise konnte ich wirklich viel von Nicaragua sehen! Auch wenn das ganze Busfahren und Rucksack Ein- und Auspacken recht stressig war, habe ich die Zeit sehr genossen und war sehr froh über die Möglichkeit, das Land so kennenzuöernen, wenn auch nur die touristischsten Orte. Meine letzten Ferientage hätte ich auf jeden Fall nicht besser nutzen können :)
Ich habe auf jeden Fall viele Eindrücke von diesem vielseitigen Land gewonnen, und würde am liebsten noch viel mehr Fotos in diesen Post packen! Falls irgendwer also noch ein paar Fotos sehen möchte, schreibt mich einfach an!
Auf der Arbeit gibt es jetzt viele neue Kinder, und seit Ende der Woche haben auch schon einige Aufgaben, sodass ich bereits viel in Englisch, Französisch und Mathe helfen konnte. Auch in Spanisch versuche ich inzwischen zu helfen, was gar nicht so schwierig ist, wie ich erwartet habe.


Donnerstag, 1. März 2018

Karneval

Karneval ist schon längst vorbei, aber hier kommt endlich mal mein Post dazu :)
Ich bin leider nicht früher zum Schreiben gekommen, da es für mich direkt nach Karneval für zwei Wochen mit ein paar Freiwilligen nach Nicaragua ging! Darüber schreibe ich dann im nächsten Post.
Ich muss zugeben, dass ich den Karneval hier nicht so interessant fand, ich war aber auch noch nie ein Karneval-Fan. Die Tage verbrachte ich mit Freiwilligen zuerst in Aguadulce und später ein wenig in Penonomé. Von meiner Familie waren eigentlich alle außer meine Gasteltern und Gastgeschwister selbst auf einem evangelischen Zeltlager, wo ich sie auch einen Tag besucht habe.
Die Krönung
An Karneval gibt es in den meisten Städten hier eine Art Wettkampf zwischen "Calle arriba" (obere Straße) und "Calle abajo" (untere Straße). Beide haben ihre Königinnen, die am ersten Tag des Karnevals gegen 1 Uhr nachts feierlich gekrönt wurden. Schon hier fielen die stark verzierten, glitzernden Kostüme der Königinnen und ihrer Begleitung auf. Die Frauen trugen einen großen Kopfschmuck, der mit Sicherheit nicht leicht war, kurze Röcke und hohe Schuhe, eine Kombination, die Laufen zu einer kleinen Herausforderung machte. Nach einem Feuerwerk wurden noch viele Fotos mit den Königinnen gemacht, dann ging es nach Hause. Auch die nächsten Tage fand der Karneval auf der Straße statt, tagsüber fing es mittags an und ging etwa bis 17 Uhr, dann wurde sich ausgeruht und nachts weitergefeiert. Als wir am ersten Tag zum Feiern rausgingen, waren viele Wägen aufgebaut, von denen aus die Menschen mit Schläuchen nassgespritzt wurden. Hier ist es an Karneval nämlich ziemlich heiß und die Abkühlung sehr beliebt. Kleine Menschengruppen standen um Kühltruhen herum, tranken Bier und überall lief laut Musik. Am Straßenrand waren Stände mit Essen und Getränken aufgebaut. Menschen aller Altersklassen waren anzutreffen, und viele, grade auch Kinder, hatten Wasserpistolen, mit denen wir auch öfter mal nassgespritzt wurden. Nach fünf Minuten in dem Gedränge waren wir klitschnass. Gut, dass wir darauf vorbereitet waren, und Handy und Geld in Plastiktüten gewickelt bei uns trugen (tatsächlich kann man hier mit nassen Dollar-Scheinen nicht bezahlen).
Die Königin von Calle abajo
Nachts ging es dann natürlich ohne das Wasser weiter. Alle hatten sich am Straßenrand versammelt, um die Paraden von Calle arriba und Calle abajo zu sehen, die aneinander vorbeifuhren. Dabei versuchten beide, die bessere "Straße" zu sein. Besonders lustig war es, als vor den beiden Musikwägen zwei Männer waren, die sich über den Lärm hinweg anschrien. Beide wollten beweisen, dass sie die bessere Straße waren, zur Unterhaltung der Zuschauer.
Mein Tag im Zeltlager war dann das absolute Gegenteil. Ich kam am späten Vormittag an, als viele sich zum Singen auf einem Platz versammelt hatten. Einige waren aber noch bei den Zelten, wo nach dem letzten Lied gegessen wurde. Den Nachmittag saßen wir einfach zusammen, wie es hier auch Zuhause sonst üblich ist. Zwischendurch bin ich noch mit einer meiner Gastnichten in den Fluss baden gegangen, was eine schöne Erfrischung war. Nach dem Abendessen ging es dann wieder nach Hause. Das Zeltlager war wohl eine Versammlung von vielen evangelischen Kirchen in ganz Panama, gleichzeitig findet auch ein katholisches Zeltlager statt.
Dann waren meine Karnevalstage auch schon vorbei und ich habe noch schnell für Nicaragua gepackt, bevor es losging. Jetzt neigen sich die langen Ferien langsam dem Endezu, Montag werde ich wieder anfangen, zu arbeiten.