Es ist zwar schon fast drei Wochen her, aber heute möchte ich von meinem Besuch in der Kirche berichten.
Ich war dort mit meiner Gasttante. Hier in Panama sind die meisten Leute katholisch, meine Tante allerdings nicht, und so waren wir in einer evangelischen Kirche. Ich glaube, das ist hier schon etwas besonderes und ich weiß deshalb nicht genau, inwiefern der Gottesdienst repräsentativ für das Verhältnis zu Religion im Allgemeinen hier ist.
Morgens um 10 Uhr brachen meine Nichte und ich zusammen auf, meine Tante war schon in der Kirche, da es dort ab 9 Uhr Kurse gibt. Die Kirche selbst war etwa fünf Minuten zu Fuß von meinem Zuhause entfernt und sah von außen eher aus wie ein einfaches, großes Gebäude, bei genauerem Hinsehen entdeckte ich aber das Fenster in Form eines Kreuzes und andere christliche Symbole. Vor der Kirche saßen Menschen in festlicher Kleidung in kleinen Gruppen zusammen. Meine Nichte erklärte mir, dass die Gruppen nach Alter sortiert seien und kurz darauf begrüßte mich meine Tante und führte mich einmal herum. Dabei stellte sie mich einigen Leuten vor, unter anderem auch dem Pfarrer. Alle waren sehr freundlich und freuten sich, dass ich gekommen war. Neben dem Haus für den Gottesdienst gab es noch ein kleineres Gebäude in dem mittags gegessen und sonst auch in kleinen Gruppen an unterschiedlichen Projekten gearbeitet wurde. Die Kinder und Jugendlichen waren alle damit beschäftigt, verschiedene Dinge zu basteln, während die Älteren, bei denen ich auch war, da meine Tante zu dieser Gruppe gehört, sich über einen bestimmten Absatz der Bibel unterhielten und ihn interpretierten. Für mich wirkte es so, dass es allen wirklich wichtig war, was der Leiter der Gruppe, der den Absatz interpretierte, sagte, und es war eine sehr andächtige Stimmung. Manche brachten Erfahrungen aus ihrem Leben mit ein, und der Leiter gab ihnen daraufhin Ratschläge. Meine Gruppe hatte außerdem ein Plakat gemacht, das glaube ich den Absatz der Bibel thematisierte, über den geredet wurde. Nach etwa einer halben Stunde setzten wir uns dann in die Kirche. Dort gab es zwei Redner, die emotionale Reden über Gott vortrugen, es wurde gesungen und Musik gemacht. Währenddessen kamen und gingen immer wieder Leute und man stellte sich häufig, um Passagen aus der Bibel zu lesen (fast jeder hatte eine eigene dabei), ergriffen seine Arme zu heben oder "Amen" zu rufen. Dann kam der Pfarrer, der eindeutig die wichstigste Person des Gottesdienstes war. Er trug eine Stelle aus der Bibel vor und redete darüber, und dann stellte er auf einmal mich vor. Ich sollte mich hinstellen und viele kamen, um mir die Hand zu schütteln und mich willkommen zu heißen. Das war sehr überraschend für mich. Danach redete der Pfarrer weiter, leider konnte ich nicht so viel verstehen, aber alle waren sehr emotional, hebten immer wieder die Arme, schlossen die Augen oder sagten "Amen". Gegen 12:30 Uhr kam dann meine Nichte zu mir und zusammen sind wir wieder nach Hause gegangen. Der Gottesdienst geht normalerweise bis 14 Uhr, meinte sie, aber es scheint normal zu sein, sich nur einen Teil anzuhören. Ich vermute, ich bin jetzt Teil der Gemeinde und das war bestimmt nicht das letzte Mal, dass ich in einem Gottesdienst war.
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