Mittwoch, 8. November 2017

Nationalfeiertage in Panama

Jetzt ist doch tatsächlich schon November! Und während es in Deutschland langsam auf den Winter zugeht und ihr sicher schon ein paar wärmere Kleidungsstücke rausholen musstet, laufe ich hier immer noch im T-Shirt herum und feiere den "mes de la patria", den Monat der Heimat. Ja, das wird hier einen ganzen Monat gefeiert. Im Gegensatz zu Deutschland hat Panama nämlich gleich mehrere Nationalfeiertage, die alle im November liegen. Da am 3.11. die Unabhängigkeit von Kolumbien, am 4.11. der Tag der Flagge und nationalen Symbole und am 5.11. der Colón-Tag (eine Provinz in Panama) gefeiert werden, hatten wir vom 2.11. bis 6.11. alle frei. Nationale Feiertage bedeutet vor allem jede Menge Desfiles (was genau das ist, könnt ihr in diesem Post nochmal nachlesen). Am 3.11., 4.11. und 6.11. gab es Desfiles in Penonomé, wobei am 6.11. die größten Desfiles waren, die den ganzen November in unterschiedlichen Städten sein werden und vorher auch schon in Aguadulce waren. Allerdings schaut sich lange nicht jeder Panameño das ganze an. Viele fahren über die Feiertage weg oder genießen einfach die Ruhe zuhause. Ich selbst habe irgendwie sehr viele unterschiedliche Sachen gemacht und werde hier "kurz" zusammenfassen, wie meine Feiertage so waren :)
Lesen lohnt sich! (behaupte ich mal)

Donnerstag, 2. November

Die Aussicht unterwegs
Auch wenn erster Ferientag war, bin ich Donnerstag früh aufgestanden, da ich mich um 7 Uhr mit eine Mädchen aus dem Kinderheim getroffen habe. Die Mädchen sind über die Feiertage alle nach Hause gefahren, und Aura (das Mädchen, mit dem ich mich getroffen habe) hat mich zu sich nach Hause eingeladen! Der Weg zu ihr war für mich ein ziemliches Abenteuer, da wir erst eine Stunde mit dem Bus unterwegs waren und dann noch einmal 1,5 Stunden zu Fuß oder auf dem Pferd. Ihr könnt euch bestimmt schon denken, wer auf dem einzigen Pferd sitzten sollte, das es gab: ich natürlich. Da sie wussten, dass ich gar nicht reiten kann, wurde das Pferd zum Glück von jemandem geführt, aber ich war schon ziemlich nervös, da der Weg matschig war und es häufig bergauf und
Ankunft im Dorf
bergab und ein paar Mal durch einen Fluss ging. Ich war echt erleichtert, dass das Pferd da nie ausgerutscht ist. Es schien aber so, als ob ich die Einzige mit diesen Sorgen war, alle anderen waren ziemlich locker. Neben Aura leben in dem kleinen Dorf Vito noch drei andere Mädchen aus dem Kinderheim. Sie leben in sehr einfachen Verhältnissen, ohne viel Luxus, aber der Ort ist unglaublich schön. Schon auf dem Weg war ich beeindruckt von der Aussicht und dem ganzen Grün, das uns umgab, und im Dorf war das nicht anders. Häuser standen vereinzelt herum, und es gab noch eine Kirche, eine kleine Grundschule (nur zwei Lehrer unterrichten dort!), und eine öffentliche Telefonzelle. In den Gärten der Häuser wuchsen ziemlich viele Obstbäume, daneben aber noch Kaffee- und Gewürzpflanzen oder ähnliches. Aura konnte sie mir alle benennen. Überall liefen Hunde und Katzen herum (wie eigentlich auch in

Penonomé), aber im Gegensatz zu meinem Zuhause, wo die Hühner in einem kleinen Stall leben, durften auch diese sich frei bewegen. Daneben gab es noch viele andere Tiere, zum Beispiel bunte Vögel. Aura lebt mit ihrer Mutter zusammen in einem kleinen Holzhaus, wo ich die Nacht über bleiben durfte. Leider hat es Donnerstag recht viel geregnet, weshalb wir nicht zum Fluss gehen konnten, aber mir wurde sehr viel von dem Dorf gezeigt und ich habe sehr viele neue Erfahrungen gemacht. Alle Menschen in dem Dorf waren unglaublich freundlich und großzügig, und die meisten wirkten zufrieden mit ihrem Leben, auch wenn sie wahrscheinlich nicht viel Geld hatten. Die Mutter von Aura hat mir davon erzählt, in welchen Verhältnissen sie früher gelebt hat, und das war wesentlich extremer. Es fehlt zwar immer noch ein Kühlschrank, das wenige Licht wird durch Solarzellen gewonnen und die Straßen sind unbefestigt und matschig, aber trotzdem habe ich das Gefühl bekommen, dass man in diesem kleinen Dorf in den Bergen ein gutes Leben führen kann.

Freitag, 3. November

Wieder hieß es früh aufstehen und es ging den ganzen Weg zurück nach Penonomé. Dort war ich nämlich auf den Geburtstag meines Locals eingeladen, also die Person von AFS, die sich bei Fragen
und Problemen um die Freiwilligen und Austauschschüler kümmert. Er wurde 25 Jahre alt und hat das groß gefeiert. Das war natürlich ein ziemlicher Kontrast zu dem einfachen Leben in Vito, das ich am Tag davor kennengelernt hatte! Wir haben etwas namens "junta de embarra" gemacht, wobei man in einer Lehmgrube herumläuft und sich ganz schön schmutzig macht! Ich war hinterher von oben bis unten voll mit Lehm, weil jeder einmal reingeschubst wurde. Anschließend wurde mit dem Lehm ein Teil einer Wand für ein Haus gemacht. Das war schon lustig. Danach sind wir alle zusammen in den Fluss gegangen, um uns sauber zu machen, und wir haben ein paar Spiele gespielt. Kuchen und Arroz con Pollo (das typische Essen bei jeglichen Feiern) durften natürlich auch nicht fehlen. Bevor der Kuchen angeschnitten wurde, haben wir alle noch gesungen. Als ich dann nach Hause gekommen bin, wurde der Geburtstag meiner Gastnichte gefeiert, die an dem Tag 15 wurde. Der 15. Geburtstag ist ja bekanntlich in Lateinamerika etwas sehr besonderes. Wir haben aber zumindest an dem Tag nicht groß gefeiert, sondern nur mit Familie und Freunden zusammengesessen und gegessen. Auch für meine Gastnichte gab es natürlich einen Kuchen, und eine Tante hat ein Gebet für sie gesprochen. Von ihrer Mutter hat sie einige Schmuckstücke geschenkt bekommen, und sie wurde beim Übergeben ihres Geschenks sehr emotional. Leider habe ich nicht verstanden, ob der Schmuck eine besondere Bedeutung hatte. Alles in allem war Freitag also ein sehr voller und ziemlich kontrastreicher Tag für mich.

Samstag, 4. November

Auf dem Rückweg
Auch Samstag ging es wieder früh los für mich, ich bin nämlich mit meiner Gastfamilie zu ihrem Grundstück auf dem Land gefahren! Dort hat jedes Familienmitglied ein Stück Land mit einem mehr oder weniger fertigem Haus und es wird sehr viel angebaut. Meine Gastfamilie fährt dort regelmäßig hin, aber ich hatte bisher nie Zeit, mitzukommen, weshalb es für mich der erste Besuch war. Es war sehr interessant, die vielen verschiedenen Pflanzen zu sehen, und mittags gab es direkt Bollo aus frisch geerntetem Mais! Bollo ist ein traditionelles Gericht, das aus Mais, Mehl und Salz zubereitet wird (soweit ich weiß). Wir hatten eine schöne Aussicht von dort und es war ein interessanter Tag.

Montag, 6. November

Sonntag habe ich nichts Spannendes gemacht, deswegen lasse ich den mal weg :)
Montag war ich mit ein paar Familienmitgliedern bei den Desfiles. Da das der Tag der großen Parade war, gab es bis nachts um 3 Uhr Programm! Zusammen saßen wir auf unseren mitgebrachten Stühlen am Straßenrand und haben uns die verschiedenen Bands und Gruppen angeschaut. Es waren sogar ein paar akrobatische Sachen dabei! Und sehr viele Personen in traditioneller Kleidung. Ich muss aber sagen, dass ich es schon sehr anstrengend fand, den ganzen Tag da zu sein, und als wir dann gegen 10 Uhr abends nach Hause fuhren, war ich ziemlich fertig, was aber auch an der Mittagshitze gelegen haben könnte. Trotzdem hat es Spaß gemacht und war eine Erfahrung, auf die ich nicht gerne verzichtet hätte.


Ich habe also schon einiges erlebt die letzten Tage. Freitag ist wieder ein Nationalfeiertag und deswegen müssen wir diese Woche nur an drei Tagen arbeiten. Desfiles gibt es aber in Penonomé erst einmal nicht mehr.

1 Kommentar: