Freitag, 9. Februar 2018

Auf dem höchsten Punkt Panamas - Halbzeit meiner Reise

 Die letzten Meter bis zur Bergspitze sind ziemlich steil. Ich komme nur langsam voran und trotz der Bewegung spüre ich die Kälte am ganzen Körper. Oben warten die anderen beiden Freiwilligen schon. Gemeinsam klettern wir noch das allerletzte Stück. Mit den kalten Fingern ist das schon eine kleine Herausforderung, aber schließlich stehen wir neben dem Gipfelkreuz, und wissen: wir sind da, auf der Spitze des Vulkan Barú, der höchsten Stelle Panamas. Eisiger Wind umgibt uns und Mond und Sterne werden langsam von der aufgehenden Sonne verdrängt. Erschöpft und durchgefroren genießen wir den Sonnenaufgang.
Auf 3400 m Höhe ist es selbst in Panama ganz schön kalt, musste ich feststellen. Aber nach der fünfstündigen nächtlichen Wanderung von 13 km auf 1800 Höhenmetern war ich dann doch ganz froh, endlich auf dem Gipfel angekommen zu sein. Wir hatten auch noch ziemliches Glück mit dem Wetter, und bei dem wolkenlosen Himmel waren Pazifik und Atlantik deutlich zu erkennen. Auch der Sonnenaufgang war unglaublich schön. Aber ich habe jetzt noch einen anderen Gipfel beklommen: jetzt ist ganz offiziell die Hälfte meiner Zeit hier in Panama vorbei. Ähnlich wie der Weg auf den Vulkan waren einige Stellen schwieriger zu bewältigen als andere und mit Sicherheit wäre es einfacher gewesen, unten zu bleiben, aber jetzt kann ich auf viele schöne Erinnerungen zurückblicken und habe den anstrengensten Teil hinter mir. Auch wenn man den Abstieg nicht unterschätzen sollte, wie ich auf dem Vulkan gelernt habe. Bergab ist auf eine ganz andere Weise eine Herausforderung als bergauf. Der steinige Weg wurde auf einmal ganz schön rutschig, und ich glaube, es gibt keinen aus unserer Gruppe, der nicht mindestens einmal hingefallen ist.
Metropolitan Park
Bevor es zum Vulkan ging, hatten wir allerdings noch den Mid-Stay Camp, auf dem wir Anfang letzter Woche alle Freiwilligen treffen konnte. Wir verbrachten einen Tag im Migration Office, wo wir endlich unsere ID Karten bekommen haben, wodurch wir jetzt ganz offiziell bis Juli hier in Panama leben. Vom Camp gibt es sonst nichts Spannendes zu berichten, aber es war ganz schön, alle wiederzusehen.
Panama Viejo
Da der Camp in Panama City stattfand, nutzte ich mit ein paar anderen die Gelegenheit, ein wenig die Stadt zu besichtigen, und wir besuchten den Metropolitan Natural Park. Auch wenn dieser mitten in der Stadt liegt, ist es dort unglaublich grün, es wachsen viele Bäume und ich hatte eher das Gefühl, in einem Wald zu sein. Auf dem Rundweg sahen wir Affen, ganz viele Ameisen, Schlangen und Schildkröten. Außerdem sahen wir uns Panama Viejo an, wo sich alte Ruinen von Gebäuden befinden, die von den ersten Siedlern aus Spanien erbaut wurden. Die Überreste sind auf einer großen Fläche verteilt und durch Infotafeln und ein kleines Museum konnten wir etwas über die Geschichte Panamas lernen.
1000 Jahre alter Baum
Nach dem Camp ging es für mich dann direkt weiter nach Boquete, eine Stadt im Westen Panamas. Durch ihre etwas höhere Lage ist das Klima dort sehr angenehm und umgeben von Wäldern und Flüssen ist es die perfekte Gegend für Wandertouren. Der Hauptgrund, weshalb wir nach Boquete gereist sind, war für uns aber der Vulkan. Recht unscheinbar reiht er sich zu den anderen Bergen dazu, man meint gar nicht, dass er wirklich der höchste Berg Panamas ist. Auf dem Weg nach oben konnte ich mir das aber schon eher vorstellen. Auch wenn der Weg ziemlich anstrengend und unglaublich kalt war, hat sich der nächtliche Ausflug sehr gelohnt. Das war eindeutig mein Höhepunkt in Boquete, aber auch sonst hatten wir eine schöne Zeit dort. Auf einer Kaffeeplantage lernten wir viel über den Anbau von Kaffee und die Besonderheiten des Kaffees aus Boquete, der als Gourmet Kaffee bekannt ist. Außerdem liefen wir den Pipeline Trail, der entlang eines alten Wasserrohrs durch den Wald führte, vorbei an einem über tausend Jahre alten, riesigen Baum bis hin zu einem kleinen Wasserfall.
Am letzten Tag ging es noch auf den Lost Waterfalls Trail, auf dem wir zu zwei schönen Wasserfällen wanderten und noch ein letztes Mal die schöne Natur genießen konnten. Nach einem Abstecher in die vielen Souvenir-Läden machten wir uns dann auf den Heimweg. Da man auf der schnellsten Straße Panamas, der Interamericana (auch eigentlich die einzige "Autobahn"), die meiste Zeit nicht viel schneller als 80 km/h fahren kann, braucht man verhältnismäßig lange, um von einem Ort zum anderen zu kommen. Da Panama aber nicht so groß ist, ist das eigentlich nicht weiter schlimm, und von Boquete bis nach Penonomé brauchte ich etwa 6 Stunden. Seit Dienstag Nacht bin ich nun wieder in Penonomé und würde am liebsten direkt weiterreisen. Jetzt steht aber erst einmal der Karneval bevor. Da Penonomé eine der besten Städte zum Feiern sein soll, bleibe ich dafür hier und bin schon gespannt, was mich so erwarten wird.

1 Kommentar:

  1. Hört sich nach einer tollen Halbzeit an. Bin schon auf dem Blog über Karneval in Penonomé gespannt :-)

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