Samstag, 7. April 2018

Un Techo Para Mi País Panamá - Häuser bauen

Als ich mich letzte Woche Mittwoch nachmittags auf den Weg nach Panama-Stadt begab, war mir noch nicht klar, wie anstrengend die nächsten Tage werden würden. Statt die Ostertage (Ostern ist hier übrigens nur von Donnerstag bis Sonntag) bei meiner Familie zu verbringen, hatte ich mich dazu entschieden, bei einer Construcción, einem Häuserbau, organisiert von der Organisation "Fundación Un Techo Para Mi País Panamá" (Ein Dach für mein Land Panama), oder kurz Techo, mitzumachen. Techo organisiert ein- bis zweimal im Jahr solche Tage, an denen mithilfe von vielen Freiwilligen Häuser für Menschen, die es sich nicht leisten können, gebaut werden.
Die etwa hundert Freiwilligen, die diesmal bei der Construcción dabei waren, trafen sich um 19 Uhr am Büro von Techo. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde wurden wir in zwei Gruppen eingeteilt, die in unterschiedlichen Schulen untergebracht waren. Mit zwei großen Bussen ging es dann nach Arraijan, einer Vorstadt Panama-Stadts. In der Schule breiteten wir unsere Matratzen und Schlafsäcke in den Klassenzimmern aus, und nach dem Abendessen und einigen Informationen zur Organisation war der Tag auch schon vorbei. Ich fand es schon überraschend, wie viele von den Freiwilligen Studenten waren, die ihre Sozialstunden abarbeiten wollten. Hier in Panama ist es nämlich Pflicht, während der Schulzeit und der Studentenzeit eine gewisse Anzahl an Stunden Sozialarbeit zu leisten. Die vier Tage über Ostern boten sich da natürlich an.
Gruppenfoto der Schule
Am nächsten Tag wurden wir um 6 Uhr morgens geweckt, und nach dem Frühstück gab es noch eine Einteilung in Gruppen, in denen wir Aufgaben erledigen sollten. In den nächsten Tagen gab es immer wieder kleine Wettkämpfe, bei denen wir als Gruppe Punkte sammeln konnten. Als wir schließlich zu der Comunidad Cuatros Torres, wo wir die Häuser bauen würden, aufbrachen, war es schon recht spät und die 40 Minuten, die wir liefen, fühlten sich in der Hitze noch viel länger an. Als wir den Eingang der Comunidad erreichten, wurden wir freundlich vom Leiter der Comunidad begrüßt und begannen, die Materialien von einem Wagen zu laden. Den restlichen Tag waren wir damit beschäftigt, die Böden, Wände, Dächer, Türen und Fenster für acht Häuser zu transportieren. Als ich mich das erste Mal auf den Weg machte, mit ein paar anderen Leuten ein Bodenteil zu einem Haus zu tragen, war ich von dem Weg, den wir laufen mussten, sehr schockiert: es ging einen zunächst noch breiten, später aber sehr schmalen Trampelpfad hinunter, der zudem mit lauter Steinen, Löchern, Wurzeln und Baumstämmen bedeckt war. So wurde der Transport noch einmal schwieriger, da wir uns sehr darauf konzentrieren mussten, wohin wir eigentlich traten. Bei Sonnenuntergang ging es dann zurück zu den Schulen. Eigentlich war ich schon völlig erschöpft, aber abends gab es dann noch eine Diskussionsrunde, sodass es wieder spät ins Bett ging. Und so ging das die nächsten Tage auch. Morgens um 6 Uhr aufstehen, nach einem Programmpunkt in der Gruppe zu der Comunidad laufen, dort bis Sonnenuntergang arbeiten, wieder zurück, und nach dem Abendprogramm erschöpft auf die Matratze fallen.
Am zweiten Tag wurden wir in acht Gruppen aufgeteilt, die an den verschiedenen Häusern arbeiten würden. In meiner Gruppe hatten wir zunächst recht viel damit zu tun, den Boden etwas zu ebenen, was nicht so leicht war, da wir ziemlich viele Steine aus der Erde holen mussten. In den nächsten Tagen gruben wir dann Löcher, in die wir die Pfähle steckten, auf denen das Haus stehen würde. Dabei mussten wir genau darauf achten, dass die Stäbe im richtigen Abstand und in der richtigen Höhe im Boden waren. Am letzten Tag konnten wir schließlich den Boden auf den Pfählen befestigen. Danach ging es mit der Wand weiter, die schnell stand. Leider war es inzwischen schon später Nachmittag und es wurde bald dunkel. Wir bemühten uns sehr, noch rechtzeitig fertig zu werden, schafften es aber nur noch, das halbe Dach, die Tür, und zwei der drei Fenster zu befestigen, bevor wir uns auf den Rückweg machen mussten. Nach vier Tagen Arbeit war dieses Ergebnis etwas frustrierend. Aber morgen wird das Haus fertiggestellt!
traditioneller Tanz
Während der Zeit bei Techo konnte ich viel über die Armut hier in Panama lernen und mir wurde bewusst, wie schnell viele in so eine Situation kommen. Die Familie, der wir das Haus gebaut haben, lebte zu viert in einem aus Wellblechen bestehendem Haus, die Erde nur mit Plastiküberzug belegt. Das Ehepaar und ihre sieben- und fünfjährigen Kinder endlich mit einem richtigen Haus, auch wenn nur sehr klein und einfach, ausstatten zu können, macht mich sehr glücklich. Viele Menschen, die in der Comunidad leben, sind Indigene. Sie sprechen eine andere Sprache, manche können nur wenig Spanisch, viele besitzen traditionelle Kleidung, und einige können die traditionellen Tänze, spielen die traditionellen Instrumente und geben Rituale ihrer Kultur weiter. Diese andere Welt etwas näher kennenzulernen hat mich sehr beeindruckt. Alle Menschen dort waren sehr freundlich und haben sich gefreut, uns kennenzulernen.
Auch wenn ich nicht viel über das Ostern hier in Panama gelernt habe, bin ich doch sehr froh über die vielen Erfahrungen, die ich während der Construcción in Cuatros Torres sammeln konnte.

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