Ein ziemlich zentrales Thema jeder Kultur ist, auch
da es so ein essentielles Thema für den Menschen ist, das Essen. Und das unterscheidet
sich auf der ganzen Welt ziemlich, was zum einen vom unterschiedlichen
Klima und dem dementsprechend unterschiedlichen Anbau von Früchten und Gemüse,
aber auch von den unterschiedlichen Kulturen beeinflusst wird. So durfte ich
zu Beginn meines Jahres feststellen, dass Panameños sich recht anders ernähren
als Deutsche, und Essen eine ganz andere Bedeutung hat.
Die wohl wichtigste
Zutat einer Mahlzeit hier ist Reis. Meistens esse ich Reis hier zweimal am Tag, mittags und
abends. Sogar zu Nudeln darf er nicht fehlen! Ich finde aber, Reis schmeckt hier
auch besser als in Deutschland, wahrscheinlich ist es eine andere Sorte und er wird auch etwas anders zubereitet. Dazu gibt es für gewöhnlich Fleisch, häufig
Hühnchen, was hier sehr gerne gegessen wird. Viele, wie auch wir, haben sogar
ein paar Hühner zuhause, wodurch es immer Eier und manchmal eben auch nicht das
Hühnerfleisch vom Supermarkt, sondern aus dem eigenen Garten gibt. Zum Fleisch
kommt dann noch eine Beilage wie Salat, Kichererbsen, Bohnen oder Linsen dazu.
Hülsenfrüchte werden hier sehr viel konsumiert und sind auch die günstigste
Variante, da Gemüse wie Tomaten, Möhren, Paprika oder anderes recht teuer ist.
Das liegt, vermute ich, daran, dass sie in dem tropischen Klima nicht so gut wachsen und vor
allem in den höheren Gebieten im Westen des Landes angebaut werden. Ja, hier habe ich
Gemüse, das ich für Deutschland für selbstverständlich gehalten habe, sehr zu
schätzen gelernt und freue mich, wenn es zwei Scheiben Tomate zum Hühnchen gibt.
Was dafür
viel häufiger auf den Teller kommt, ist Wurzelgemüse wie Yamswurzel, Otoe
und Ñame. Sagt euch nichts? In Deutschland essen wir das auch einfach nicht (und ich kenne die Übersetzung für Otoe und Ñame nicht).
Obwohl ich Yamswurzel echt lecker finde, der Geschmack erinnert an
Esskastanien. Verschiedenes Wurzelgemüse wird meist als Zutat zu Suppen verwendet. Eine
bestimmte Suppe, Sancocho, ist sogar ein Nationalgericht Panamas! Unter Suppe
versteht man hier Brühe mit Fleisch und eben Wurzelgemüse. Als Beilage gibt
es - wie sollte es auch anders sein - Reis. Eine weitere Suppenart ist Guacho, wo im Prinzip einfach
der Reis mit in die Suppe kommt, sodass die Suppe mehr an eine Art Brei
erinnert. Ich frage mich ehrlich gesagt, warum die hier so gerne Suppe essen
bei dem heißen Wetter, aber das wird mir wohl immer ein Rätsel bleiben. Neben Sancocho ist aber auch Arroz con Pollo ein Nationalgericht. Arroz con Pollo (übersetzt: Reis mit Hühnchen) ist ein gelber Reis, in den Hühnchen, Möhre, und Sellerie gemischt wird. Natürlich gibt es viele Varianten des Rezepts und jede Familie hat seine eigene Zubereitungsweise. Zum Reis gibt es häufig noch Kartoffelsalat. Der wird manchmal auch mit Roter Beete zubereitet.
| Bollo mit Ei |
Durch das Klima gibt es
hier aber auch unglaublich viele Früchte. Die Bananen, Ananas, Orangen, Mangos
und alle möglichen anderen Früchte werde ich bestimmt in Deutschland vermissen!
Der Geschmack ist hier einfach viel besser und intensiver. Leider werden in
meiner Familie recht wenig Früchte gegessen. Wenn es welche
zuhause gibt, werden die meistens zu Saft oder einem Milchgetränk verarbeitet.
Was mich zu einem weiteren Thema führt: die Getränke. Hier werden nämlich
häufig natürliche Fruchtsäfte getrunken, die aus gepressten Früchten, Wasser,
und meistens auch Zucker hergestellt werden. Das ist sehr lecker! Teilweise
wird aber auch einfach ein süßes, buntes Pulver in Wasser geschüttet, was dem
Wasser einen künstlich süßen Geschmack gibt und es knallrot oder orange färbt. Warum das hier so beliebt ist, weiß ich auch nicht so genau. Ein traditionelles Getränk ist
außerdem Chicheme: bei den genauen Zutaten bin ich mir nicht ganz sicher, aber
es ist auf jeden Fall eine Mischung aus Milch mit Zucker, Zimt und Reis, der
sich am Boden sammelt.
Interessanterweise habe
ich auch festgestellt, dass, bis auf die süßen Getränke, in den meisten
Familien fast kein Zucker konsumiert wird! Schokolade schmilzt hier zwar, aber
auch Kekse, Eis oder ähnliches findet man nie zuhause. Außer wenn jemand
Geburtstag hat, dann gibt es meistens einen Kuchen mit unglaublich süßer,
künstlich schmeckender Creme als Topping. Trotz des Verzichts auf Zucker ist
das Essen aber nicht unbedingt gesünder, da hier viel frittiert wird. Hinzu
kommt der hohe Fleischkonsum.
Vieles ist auch
einfach teurer hier, neben Gemüse haben zudem Milchprodute einen hohen Preis. Joghurt kauft meine Familie nie! Auch Käse istziemlich teuer und dabei
vom Geschmack her echt nicht so gut wie der in Deutschland.
Meine Ernährung hier ist also schon ziemlich anders, und ich esse hier viel weniger Gemüse, Joghurt und Müsli, dafür aber ziemlich viel Reis, Fleisch und Hülsenfrüchte. Außerdem wird hier, meiner Meinung nach, weniger Wert auf Ernährung gelegt und mehr darauf, dass das Essen füllt. Der Reis ist der Treibstoff, damit der Motor weiterläuft. Natürlich ist das die Hauptfunktion von Essen, aber welche gesundheitlichen Auswirkungen verschiedene Lebensmittel und ihre Qualität auf den Menschen haben, rückt erst langsam in das Interesse der Menschen hier.
Auflösung der Frucht von letzter Woche:
Der Name der Frucht ist Cashewfrucht! Oder auch Marañon auf Spanisch. Ich habe ehrlich gesagt gerade erst nach der Übersetzung geguckt und war selbst überrascht, dass es sich um Cashew handelt. Auch wenn mir meine Gastmutter erklärt hatte, dass die Nuss auf der Frucht essbar ist. Erntezeit ist zwischen Februar und Mai.
Exotische Früchte #2: Was ist das für eine Frucht?
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