Samstag, 28. April 2018

Ernährung in Panama

Ein ziemlich zentrales Thema jeder Kultur ist, auch da es so ein essentielles Thema für den Menschen ist, das Essen. Und das unterscheidet sich auf der ganzen Welt ziemlich, was zum einen vom unterschiedlichen Klima und dem dementsprechend unterschiedlichen Anbau von Früchten und Gemüse, aber auch von den unterschiedlichen Kulturen beeinflusst wird. So durfte ich zu Beginn meines Jahres feststellen, dass Panameños sich recht anders ernähren als Deutsche, und Essen eine ganz andere Bedeutung hat.
Die wohl wichtigste Zutat einer Mahlzeit hier ist Reis. Meistens esse ich Reis hier zweimal am Tag, mittags und abends. Sogar zu Nudeln darf er nicht fehlen! Ich finde aber, Reis schmeckt hier auch besser als in Deutschland, wahrscheinlich ist es eine andere Sorte und er wird auch etwas anders zubereitet. Dazu gibt es für gewöhnlich Fleisch, häufig Hühnchen, was hier sehr gerne gegessen wird. Viele, wie auch wir, haben sogar ein paar Hühner zuhause, wodurch es immer Eier und manchmal eben auch nicht das Hühnerfleisch vom Supermarkt, sondern aus dem eigenen Garten gibt. Zum Fleisch kommt dann noch eine Beilage wie Salat, Kichererbsen, Bohnen oder Linsen dazu. Hülsenfrüchte werden hier sehr viel konsumiert und sind auch die günstigste Variante, da Gemüse wie Tomaten, Möhren, Paprika oder anderes recht teuer ist. Das liegt, vermute ich, daran, dass sie in dem tropischen Klima nicht so gut wachsen und vor allem in den höheren Gebieten im Westen des Landes angebaut werden. Ja, hier habe ich Gemüse, das ich für Deutschland für selbstverständlich gehalten habe, sehr zu schätzen gelernt und freue mich, wenn es zwei Scheiben Tomate zum Hühnchen gibt.
Was dafür viel häufiger auf den Teller kommt, ist Wurzelgemüse wie Yamswurzel, Otoe und Ñame. Sagt euch nichts? In Deutschland essen wir das auch einfach nicht (und ich kenne die Übersetzung für Otoe und Ñame nicht). Obwohl ich Yamswurzel echt lecker finde, der Geschmack erinnert an Esskastanien. Verschiedenes Wurzelgemüse wird meist als Zutat zu Suppen verwendet. Eine bestimmte Suppe, Sancocho, ist sogar ein Nationalgericht Panamas! Unter Suppe versteht man hier Brühe mit Fleisch und eben Wurzelgemüse. Als Beilage gibt es - wie sollte es auch anders sein - Reis. Eine weitere Suppenart ist Guacho, wo im Prinzip einfach der Reis mit in die Suppe kommt, sodass die Suppe mehr an eine Art Brei erinnert. Ich frage mich ehrlich gesagt, warum die hier so gerne Suppe essen bei dem heißen Wetter, aber das wird mir wohl immer ein Rätsel bleiben.
Neben Sancocho ist aber auch Arroz con Pollo ein Nationalgericht. Arroz con Pollo (übersetzt: Reis mit Hühnchen) ist ein gelber Reis, in den Hühnchen, Möhre, und Sellerie gemischt wird. Natürlich gibt es viele Varianten des Rezepts und jede Familie hat seine eigene Zubereitungsweise. Zum Reis gibt es häufig noch Kartoffelsalat. Der wird manchmal auch mit Roter Beete zubereitet.
Ein weiteres wichtiges Element der panamaischen Küche ist die Kochbanane! Die wächst hier sehr gut und wird grün zu Patacones verarbeitet - man schneide eine geschälte Kochbanane in Stücke und frittiert sie - oder gekocht in Suppe gegessen. Auch gelb wird sie gekocht oder frittiert als Beilage verwendet. Der Geschmack von Patacones erinnert etwas an Pommes und ich würde sagen, die grüne Kochbanane ist die Kartoffel von Panama. Gelb ist sie süßer und hat noch einmal einen ganz anderen Geschmack, aber auch ziemlich lecker!
Bollo mit Ei
Besonders gerne werden auch alle möglichen Produkte aus Mais gegessen. Zum einen gibt es Tamales, eine Art Maisteigmasse gefüllt mit Hühnchen, Oliven und Rosinen, dann wird aus Mais aber noch Tortillas (frittierter Maisteig), oder Bollo (ähnlich wie Tortillas, aber gekocht) hergestellt. Tortillas und Bollo werden hier, ebenso wie Patacones, oft gefrühstückt. Es kommt also meist schon morgens eine recht fettige Mahlzeit auf den Tisch, außer, wir essen Brot, was ich vor allem unter der Woche meistens tue. Brot ist hier aber nicht mit dem aus Deutschland zu vergleichen und eigentlich immer weiß.
Durch das Klima gibt es hier aber auch unglaublich viele Früchte. Die Bananen, Ananas, Orangen, Mangos und alle möglichen anderen Früchte werde ich bestimmt in Deutschland vermissen! Der Geschmack ist hier einfach viel besser und intensiver. Leider werden in meiner Familie recht wenig Früchte gegessen. Wenn es welche zuhause gibt, werden die meistens zu Saft oder einem Milchgetränk verarbeitet. Was mich zu einem weiteren Thema führt: die Getränke. Hier werden nämlich häufig natürliche Fruchtsäfte getrunken, die aus gepressten Früchten, Wasser, und meistens auch Zucker hergestellt werden. Das ist sehr lecker! Teilweise wird aber auch einfach ein süßes, buntes Pulver in Wasser geschüttet, was dem Wasser einen künstlich süßen Geschmack gibt und es knallrot oder orange färbt. Warum das hier so beliebt ist, weiß ich auch nicht so genau. Ein traditionelles Getränk ist außerdem Chicheme: bei den genauen Zutaten bin ich mir nicht ganz sicher, aber es ist auf jeden Fall eine Mischung aus Milch mit Zucker, Zimt und Reis, der sich am Boden sammelt.
Interessanterweise habe ich auch festgestellt, dass, bis auf die süßen Getränke, in den meisten Familien fast kein Zucker konsumiert wird! Schokolade schmilzt hier zwar, aber auch Kekse, Eis oder ähnliches findet man nie zuhause. Außer wenn jemand Geburtstag hat, dann gibt es meistens einen Kuchen mit unglaublich süßer, künstlich schmeckender Creme als Topping. Trotz des Verzichts auf Zucker ist das Essen aber nicht unbedingt gesünder, da hier viel frittiert wird. Hinzu kommt der hohe Fleischkonsum.
Vieles ist auch einfach teurer hier, neben Gemüse haben zudem Milchprodute einen hohen Preis. Joghurt kauft meine Familie nie! Auch Käse istziemlich teuer und dabei vom Geschmack her echt nicht so gut wie der in Deutschland.
Meine Ernährung hier ist also schon ziemlich anders, und ich esse hier viel weniger Gemüse, Joghurt und Müsli, dafür aber ziemlich viel Reis, Fleisch und Hülsenfrüchte. Außerdem wird hier, meiner Meinung nach, weniger Wert auf Ernährung gelegt und mehr darauf, dass das Essen füllt. Der Reis ist der Treibstoff, damit der Motor weiterläuft. Natürlich ist das die Hauptfunktion von Essen, aber welche gesundheitlichen Auswirkungen verschiedene Lebensmittel und ihre Qualität auf den Menschen haben, rückt erst langsam in das Interesse der Menschen hier.

Auflösung der Frucht von letzter Woche:
Der Name der Frucht ist Cashewfrucht! Oder auch Marañon auf Spanisch. Ich habe ehrlich gesagt gerade erst nach der Übersetzung geguckt und war selbst überrascht, dass es sich um Cashew handelt. Auch wenn mir meine Gastmutter erklärt hatte, dass die Nuss auf der Frucht essbar ist. Erntezeit ist zwischen Februar und Mai.




Exotische Früchte #2: Was ist das für eine Frucht?

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